Baumpflege – Nichts für unerfahrene Laien

Veröffentlicht am 7 Oktober 2019 von Verena Arnold
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In Deutschland darf jeder Bäume fällen und pflegen – das birgt allerdings viele Gefahren. Um die Arbeit korrekt auszuführen, benötigt man einiges an Fachwissen, da Bäume sehr komplex sind und jeder andere Beschaffenheiten aufweist. Vor allem das Fällen von Bäumen ist sehr gefährlich. Man muss einiges beachten und auf herabfallende Äste oder allgemein die Fallrichtung der Pflanzen achten. Um einen Baum ordnungsgemäß zu pflegen oder zu fällen, benötigt man zudem eine umfangreiche Ausstattung an Werkzeugen. Um Unfälle zu verhindern, sollte man einen Spezialisten auf dem Gebiet der Baumpflege engagieren, der dafür sorgt, dass die Pflanzen gesund bleiben oder – wenn nötig – ohne große Risiken gefällt werden.

Mario Weigl ist 42 Jahre alt und wurde in Niederbayern in Albersdorf geboren. Er ist ein sehr naturverbundener, offener und sportlicher Mensch. Studiert hat er nicht, sondern sich nach der Mittlerer Reife im Rahmen einer 3-jährigen Vollzeit-Berufsschule zum EDV-Kaufmann ausbilden lassen. Diesen Beruf übte er einige Jahre überwiegend als Softwareentwickler aus. Der Stress wurde ihm allerdings zu viel und er bekam gesundheitliche Probleme. Aus diesem Grund begann er mit einem Freund, im näheren Umkreis Bäume zu fällen, weil sie das beide von ihrer Jugend an kannten. Mario Weigl absolvierte viele Schulungen und machte 2010 den sogenannten Meister als European Tree Technician – eine sehr moderne und EU-weit gültige Ausbildung zum Baumtechniker.

Sein Unternehmen umfasst ein Team von sieben Mitarbeitern, davon ist einer im Büro. Sie machen alles, was mit Bäumen zu tun hat – von der Pflanzung bis zur Fällung. Ihre Schwerpunkte liegen auf der Arbeit für Hausverwaltungen und Privatkunden, sowie dem Managen von Baumbeständen und der damit verbundenen Pflege für Kommunen, Krankenhäuser oder Firmen. Desweiteren arbeiten sie für die Deutsche Bahn und machen hauptsächlich schwierige Baumpflege und Fällungen entlang von Bahntrassen. Über den Sommer beschäftigen sie sich auch mit ökologischen Landschaftspflegearbeiten. Sie mähen beispielsweise Biotopflächen oder pflegen Eidechsenhabitate.

Unser Interviewpartner Mario Weigl ist Baumpfleger

 

Warum bist du professioneller Baumpfleger geworden? Welche Aspekte des Berufes begeistern dich jeden Tag aufs Neue?

Wie oben erwähnt bin ich das über Umwege geworden, aber Holz als solches hat mich sowohl als Werkstoff als auch der Baum selbst fasziniert. Früher wollte ich Schreiner oder Zimmerer werden, aber davon hat mir der Arzt bei der Eignungsuntersuchung damals abgeraten, da ich eine Stauballergie habe. Mich hats trotzdem zurück zum Holz gezogen und meine Mitarbeiter und ich sind fast alle ausgebildete Baumkletterer. Wir können schon von uns sagen, dass wir ziemlich komplizierte und schwierige Sachen machen. Und jeder Baum ist anders, hat eventuell Vorschäden, steht wieder in einer ganz anderen Umgebung und ist anders zu klettern. Außerdem sind wir naturverbunden und haben eine beruflich geprägte Sicht auf Bäume und Natur und sind von selbigem immer wieder begeistert. Die schönsten Momente sind, wenn man an einem herrlichen sonnigen Tag oben in einem Baumwipfel ist und die Aussicht genießen kann, da macht man dann schon mal ein kleine Pause. Und wenn so ein Auftrag erfolgreich erledigt wurde, gibt das ein schönes Gefühl der Zufriedenheit, was Tolles geleistet zu haben.

 

Warum ist es immer ratsam, einen Profi für das Zuschneiden eines Baumes zu rufen? Welche Gefahren drohen, wenn eine Laie diese Arbeit selbstständig durchführt?

Das Pflegen und Fällen von Bäumen darf in Deutschland leider jeder machen. Und das ist oft unser größtes Ärgernis, da auf der anderen Seite unsere Berufsgruppe neben ein paar anderen Berufen zu den gefährlichsten zählt. Und diese Einstufung ist auch durchaus berechtigt.

Wir haben gelernt, wie man Bäume richtig schneidet, sodass sie möglichst lange gesund und vital erhalten werden. Und diese Thematik ist äußerst umfangreich. Die Anforderungen sind heute zum Beispiel Bedürfnisse des Menschen wie ein sicherer Spielplatz oder Naherholung bei gleichzeitig vital zu erhaltenden Bäumen nach Naturschutzgesetz und eventueller Sicherheitsbestimmungen – Abstand zu Stromleitungen, Gehweg auf 2,5m Höhe, den Lichtkegel von Straßenbeleuchtung – in Einklang zu bringen. Und wenn wir dann Bäume sehen, die auch einem Laien ins Auge springen, weil sie völlig verschnitten sind, dann finden wir es nicht amüsant, wenn sich solche Personen noch als angebliche Fachleute ausgeben. Und einen verschnittenen Baum wieder hinzubekommen und vital zu erhalten, ist mit sehr viel Knowhow verbunden und manchmal nicht mehr möglich – es bleibt nur noch die Fällung. Außerdem gibt es auch aufgrund des Klimawandels viele Baumschädlinge – seien es Pilze, Bakterien, Insekten oder andere. Diese sollte man kennen und wissen, ob und in welcher Weise sie dieser Baumart schaden, um eine entsprechende Pflegestrategie anwenden zu können.
Zum Thema Fällung – es gibt immer wieder schwere und leider auch tödlich Unfälle bei Baumarbeiten, die meisten unter Laien. Aber auch Profis passieren solche Unfälle, weil sie in einer Situation vielleicht eine Kleinigkeit nicht bedacht haben, die dann zum großen Problem wird. Es gehört viel Fachkenntnis dazu. Ist der Baum gesund, den ich fälle? Wie sieht die Krone aus, hängen dort tote Äste drin, die herunterfallen könnten? Ist die Umgebung wirklich frei, wo der Baum hinfallen soll, und ist das auch ausreichend berechnet? Besteht die Möglichkeit, dass sich der Baum während des Fällens dreht und nicht in die gewünscht Richtung fällt – zum Beispiel wegen Stammfäule, Lastigkeit, weil er eventuell am Nachbarbaum hängenbleibt? Wenn ja, muss ich das vorher gesehen haben und entsprechende technische Maßnahmen ergreifen oder eventuell mein Arbeitsverfahren ändern. Ich denke aus den Ausführungen kann man ansatzweise Erkennen, das erfolgreiche und unfallfreie Baumarbeit über Jahre nichts für einen Laien ist. Und wir gehen auch heute noch regelmäßig auf Fortbildung.

 

Was benötigt ihr an Ausrüstung und Werkzeug, um einen Baum zuzuschneiden? Welche Präferenzen hast du bezüglich deiner Kettensägen?

Zum Werkzeug gehören Handwerkzeuge wie eine Astschere, Handsägen, Stangen- oder Teleskopsägen und Kettensägen. Genauso gehört dazu aber auch unsere Kletterausrüstung bestehend aus Helm, Gurt, diversen Seilen und Karabinern mit unterschiedlicher Funktion. Bei Fällungen dürfen sogenannte Steigeisen nicht fehlen. Um Baumteile kontrolliert zu Boden zu bringen, braucht man ebenfalls spezielle Ausrüstung bestehend aus Ablass-Seilen und einem sogenannten Poller oder Riggingwinch. Über dieses Gerät können die Baumteile kontrolliert zu Boden gebracht werden und falls nötig auch hochgezogen werden. Präferenzen bezüglich Motorsägen haben wir keine speziellen, denn es gibt Hersteller wie Stihl oder Husqvarna, die alle sehr gute Sägen herstellen. Entscheidend für uns ist aber der Service, das Maschinen schnell und kompetent gewartet werden und wie weit ich zu meinem nächsten Händler oder zur Servicewerkstatt habe. Und bei dieser Gesamtbetrachtung fiel die Entscheidung bei uns auf Stihl-Geräte.

 

Nun ist es doch sehr schwer, den Preis für ein solches Unterfangen einzuschätzen. Welche Anhaltspunkte für den Preis kannst du möglichen Kunden verraten?

Ja das stimmt prinzipiell. Anhaltspunkt ist natürlich die Größe des Baumes, also immer der tatsächliche Arbeitsaufwand. Wir kalkulieren hier mit ähnlichen Stundensätzen wie die meisten anderen Handwerker auch. Und sowas kann bei unter hundert Euro losgehen und bei komplizierten Großbaum-Fällungen in urbanem Umfeld auch in den mittleren vierstelligen Bereich pro Baum gehen. Deshalb besichtigen wir auch jeden Baum vor einer Angebotsabgabe, da man das so einfach, wie manche Personen das am Telefon erwarten, nicht durchführen kann.

Das Pflegen und Fällen von Bäumen darf in Deutschland leider jeder machen

 

Eine komplizierte und gefährliche Arbeit

Die Baumpflege erfordert sehr viel Expertise und eine umfangreiche Ausstattung an Werkzeugen. Trotz jahrelangen Erfahrung kann es immer wieder zu Unfällen kommen, da jeder Baum anders ist und man auch mal ein wichtiges Detail übersehen kann. Eine stabile Kletterausrüstung und hochwertige Geräte unterstützen die Baumpfleger dabei, ihre Arbeit sicher und zufriedenstellend auszuführen. Daher ist es Laien auch unbedingt zu raten, die Baumpflege nicht selbst zu übernehmen, sondern einen Profi zu engagieren. Neben der Gefahr hat der Beruf aber auch schöne Aspekte. Wenn man oben auf dem Baum sitzt, die Aussicht genießt und über die getane Arbeit zufrieden sein kann, ist das ein ganz besonderer Moment.

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