Das echte Leben ist kein Actionfilm

Veröffentlicht am 30 September 2019 von Verena Arnold
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In Actionfilmen lieben wir grobe, brutale Kampfszenen, bei denen die Fäuste nur so fliegen. In Realität sind Kämpfe meist nicht besonders lustig. Täglich geschehen auf der ganzen Welt Übergriffe auf hilflose Menschen. Wer sich dagegen wehren will, muss kämpfen lernen. Und wenn es um die Verteidigung geht, dann hält man sich am besten an das, was auch die Polizisten lernen: Krav Maga. 

Tino Enders ist Polizist und nebenbei Krav Maga Instruktor in Hamburg. Er bringt Menschen aller Art – besonders Frauen und Kinder, die meist von Übergriffen betroffen sind – bei, wie man sich in der echten Welt gegen solche Überfälle wehrt. Während Kampfsportarten wie Karate oder Boxen meist an Regeln gebunden sind, so gilt in Krav Maga ein einziges, simples Prinzip: „don’t get hurt“. 

 Krav Maga passt sich mit seinen simplen Techniken an die natürlichen Instinkte des Menschen an und zielt rein darauf ab, sich selbst und sein Leben zu schützen. Etwas, das jeder lernen sollte.   

Unser Interviewpartner Tino Enders ist Polizist und nebenbei Krav Maga Instruktor

 

Tino, du bist als Krav Maga Instruktor in der Krav Maga Academy in Hamburg tätig. Welche Ausbildungen musstest du ablegen, um als Instruktor im Krav Maga tätig zu sein und andere zu unterrichten?

 Die Grundlage bietet der GIC – General Instructor Course von Krav Maga Global. Damit erhält man die Berechtigung Zivilpersonen zu unterrichten. Der GIC ist die umfangreichste und professionellste Ausbildung im Bereich des Krav Maga, die auf dem Markt existiert. Im Anschluss habe ich im In- und Ausland diverse Zusatzqualifikationen der KMG durchlaufen, um mich in bestimmten Bereichen des Krav Maga weiter zu spezialisieren. Man kann und sollte die Ausbildung mit der eines Doktors vergleichen. Ein guter Hausarzt ist noch lange kein Spezialist in bestimmten Fachbereichen. 

 

Was versteht man grundsätzlich unter dem Begriff Krav Maga? Woher stammt die Verteidigungsform? In welchen Situationen macht man vom Krav Maga Gebrauch? Für wen eignet sich diese Verteidigungsform?

 Krav Maga (hebräisch) bedeutet wörtlich übersetzt „Kontakt-Kampf“ und wird bei uns eher als „Nahkampf“ bezeichnet. Wegen dieses einfachen Wortes ist der Begriff auch rechtlich nicht geschützt und kann von Jedem verwendet werden, was heutzutage ein sehr großes Problem ist. Authentisches Krav Maga stammt von Imi Lichtenfeld, welcher seine Grundprinzipien der Verteidigung in Bratislava zur Zeit der Judenverfolgung gesammelt hat. Er stellte fest, dass auf der Straße (vor allem gegen die Nazis) keine Regeln gelten, oft mehrere Angreifer und bewaffnete Angreifer kurzen Prozess machen und Fairness nicht gilt. Hier entwickelte sich sein Erfahrungsschatz vom bisher betriebenen Sport zu lösen. Über eine lange Flucht gelang es eines Tages nach Palästina. Als der Staat Israel 1948 gegründet wurde, wurde Imi der Chefausbilder für Krav Maga (hier wurde der Name auch erstmals benutzt) in den IDF (Israel Defense Forces). Nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand öffnete dieser das Krav Maga für den Zivilbereich mit diversen Anpassungen an die Rechtslage. Sein engster Schüler Eyal Yanilov entwickelte dann KM zu einem taktisch-defensiven System, welches man anhand der besonderen Trainingsmethodik schnell erlernen kann. Mehr Infos zur Geschichte auf unserer Seite hier (inkl. Kurzvideos, die die Geschichte sehr gut zusammenfassen): https://www.krav-maga-academy.com/kmg

Krav Maga Global nutzen wir zur Prävention, Deeskalation und Verteidigung bei jeglichen Problemen, die einem im Alltag treffen können. Es ist nicht für den fairen Zweikampf im Sport gedacht, sondern folgt einfach, instinktbasierten Prinzipien, weshalb das Selbstverteidigungssystem in jedem Alter erlernt werden kann. Auch Personen mit körperlichen Einschränkungen finden viele Lösungen mit plötzlich auftretender Gewalt umzugehen. 

 

 Welches Equipment wird zum Krav Maga Training benötigt? Mit welchen Hilfsmitteln arbeitet man in den Kursen, um Techniken und Bewegungsabläufe kennenzulernen? Welches Zubehör ist in der Krav Maga Akademie vorhanden und für Schüler und Trainer zugänglich?

Grundsätzlich keins. Da wir aber immer sicher trainieren wollen, sind bei einem dauerhaften Training ein Tief- und Zahnschutz verpflichtend. Weitere Schutzausrüstung kann bei Bedarf dazu genommen werden, um realistischer trainieren zu können. Für das Training nutzen wir vor allem unseren optimal gestalteten Trainingsraum mit Matten, Boxsäcken und diversen anderen Hilfsmitteln.

Tief- und Zahnschutz sind beim Training verpflichtend

 

Inwiefern unterscheiden sich Krav Maga von Kampfsportarten? Welche Bewegungen sind im Krav Maga anders? Setzt man im Kampf eine Waffe ein?

Das Krav Maga Global System ist ein modernes, rein zweckgebundenes Selbstverteidigungssystem für den Selbstschutz und den Schutz Dritter Personen. Es gibt keine Wettkämpfe, da diese immer an Regeln gebunden sind und gefährliche Angriffe nicht stattfinden können. In der Realität sind aber alle Arten von Gewalt zu finden. Daher gilt im KM: Don’t get hurt! Das gilt sowohl im Training, als auch in der Realität. Zeitgleich soll erlernt werden, sich im Rahmen der herrschenden Gesetze korrekt zu verteidigen (die richtigen Dinge zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu tun). Weiter unterscheidet es sich von allen anderen Systemen durch seinen Grundsatz der Einfachheit der Techniken, welche auf den meist natürlichen Reaktionen des menschlichen Körpers beruhen. Auch die besondere Trainingsmethodik und -didaktik sind entscheidend für den Trainingserfolg. Der rechtmäßige Einsatz/ Umgang von Hilfsmitteln (Alltagsgegenständen) und Waffen ist Bestandteil des Curriculums. Krav Maga Global umfasst verschiedene Bereiche, wie z.B. Law Enforcement, Militäreinheiten, Spezialeinheiten, Zivilisten, Kinder, usw., die alle nach ihren Bedürfnissen, Ausstattungen etc. immer in den 4 Säulen des technischen, taktischen, physischen und mentalen Trainings geschult werden.

 

Ein höheres Sicherheitsgefühl

 Täglich lesen wir in unseren Zeitungen von Übergriffen. Tankstellen werden ausgeraubt, Frauen vergewaltigt, Kinder entführt und erst gegen hohe Summen Lösegeld wieder rausgerückt. Das kann schnell das eigene Sicherheitsgefühl mindern. Wer sich nachts nicht mehr alleine auf die Straße traut oder sich an Bahnhöfen unwohl fühlt, der sollte darüber nachdenken, Krav Maga zu lernen. Das Verteidigungssystem bringt einen bei, wie man sich gegen jegliche Angreifer verteidigt und sorgt so für ein höheres Sicherheitsgefühl im Alltag. 

Es ist aber nicht nur für verängstigte Menschen, sondern für jeden geeignet, der im Alltag leistungsfähiger werden möchte. Denn durch die Trainingsmethodik überträgt sich das Tun auch auf den Alltag und man wird mit jeglichen Stresssituationen besser, effizienter und lösungsorientierter umgehen können. Aufgeben ist keine Option mehr, Durchhalten und Fokussieren wird in allen Lebenslagen einfacher. Zudem ist in jedem Training eine ordentliche Portion körperliches Training enthalten, so Tino Enders, welches einfach Spaß macht und auch der Grund ist, warum viele Menschen zum Krav Maga Training kommen, die einfach mit Gleichgesinnten in einer freundlich familiären Atmosphäre mit gegenseitiger Unterstützung trainieren wollen.

Vielen Dank an Tino Enders für ein sehr aufschlussreiches Interview.

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