Das Spiel mit den Passanten im Fokus

Veröffentlicht am 23 Juni 2020 von Verena Arnold
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Bibi Sabine Eitel stammt aus Mönchengladbach. Vor vielen Jahren fing sie an, die Welt auf ihre ganz eigene Art zu erobern: Die 42-Jährige arbeitet als soloselbstständige Schauspielerin, Performerin und Zirkusclown. „Verwandlung ist Magie. Lachen ist heilsam!“, sagt Bibi. Beim Blick in ihre wachen, strahlenden Augen glaubt man ihr das sofort. Ihre Performance in ihrer Rolle als „Clown Isolde” hat schon unzählige Zuschauer berührt.

Je nach Auftragslage arbeitet Bibi allein oder mit anderen selbstständigen Clowns, Künstlern, Performern und Zirkusmenschen zusammen. Die gelernte Schneiderin absolvierte eine Schauspielausbildung in Berlin, ging anschließend längere Zeit nach Indien und fand dort zum Zirkus. In Freiburg und in der Schweiz begann sie später mit ihrer Tätigkeit als Zirkuspädagogin, die sie auch heute noch ausführt.

Bibi entwickelte zusammen mit zwei Regisseuren (Nike Herrberg & Bruno Zühlke) mit „Clown Isolde“ ein Bühnenstück, das sie selbst umsetzt und weiterhin auszugsweise aufführt. Weltweit gab sie Workshops für Zirkusclowns, auf den Azoren ebenso wie in Polen. Sie hatte Auftritte als Clown und Feuerperformerin. Heute hat Bibi ihren Wohnsitz in Freiburg, ist aber immer noch viel unterwegs. Inzwischen arbeitet sie auch als Klinikclown in der Schweiz.

Unsere Interviewpartnerin Bibi Sabine Eitel ist als Clown tätig

Bibi, deine Tätigkeit als Clown und Performerin ist sehr ungewöhnlich. Wie bist du eigentlich dazu gekommen? Welche Charaktereigenschaften sind unverzichtbar dafür?

Nach Beenden meiner Schauspielausbildung ging ich für 6 Monate nach Indien. Dort begegnete ich dem Zirkus, lebte daraufhin 4 Jahre in Portugal als „Lebende Statue“, machte die Ausbildung zur Zirkuspädagogin, zum Bühnen- und zum Klinikclown. Alle diese Bereiche und Erfahrungen greifen für mich ineinander und bauen aufeinander auf. Die Vermischung von Theater und Zirkus, von Spiel, Kontakt und Technik in Verbindung mit der Psychologie des Menschen reizen mich dabei am meisten. Die Tiefe des Clowns interessiert mich. In meinen Workshops mit den Teilnehmern der Echtheit ihrer Persönlichkeit auf den Grund zu gehen, das ist der Kern meiner Arbeit. Im Drama des Lebens auf Humor zu stoßen. Die Idee dahinter ist, dass jeder Mensch seinen eigenen inneren Clown hat. Je mehr wir es schaffen, unsere „Masken des Alltags“ fallen zu lassen und uns in unserer Echtheit pur und blank sein zu lassen und zu zeigen, umso näher kommen wir unserem Clown, unserem Humor und umso mehr können wir mit den Menschen um uns herum in Berührung gehen, sie berühren. Ich finde, dafür sind Eigenschaften wie Neugier, viel Feingefühl und eine große Offenheit für die Unterschiedlichkeit der menschlichen Charaktere sehr wichtig.

 

Was führst du in deiner Rolle als Isolde auf? Wie würdest du Isolde charakterisieren? Wie ist es für dich, in eine Rolle zu schlüpfen? Was gefällt dir dabei besonders gut?

Meine Clownsfigur Isolde hält einen Vortrag über Entspannung, sie spricht über Yoga und Co. und versucht sich an spirituellen Erkenntnissen, an denen sie aber gnadenlos scheitert. Isolde ist eine Frau, die sich für chic, gar hip hält, die scheinbar alles im Griff hat, jedoch ständig an Alltäglichkeiten scheitert. Sie nimmt dieses Scheitern aber nicht einmal als solches wahr. Denn sie ist von sich überzeugt, trägt diese Überzeugung in die Welt und bekommt dadurch etwas nahezu Naives. Der Bruch zwischen ihrer Idee von sich selbst und ihrem tatsächlichen Auftreten lädt zum Schmunzeln oder gar zum Lachen ein. Ich liebe es, verschiedene Rollen/Charaktere zu kreieren, diesen Leben einzuhauchen und damit einen neuen Menschen völlig frei erfinden zu können. Ein Schauspielfreund von mir sagte einmal: „In den diversen Rollen kann man ‚eigene Sehnsüchte verbraten.‘“ Dieser Ausdruck ist bei mir hängengeblieben. In der Zeit der Kreation von Isolde war ich in meinem Alltag mehrere Monate lang mehr als Isolde denn als Bibi unterwegs. Mein Umfeld wusste aber zum Glück Bescheid.

 

Welche Utensilien begleiten dich bei deinen Auftritten? Worauf kannst du keinesfalls verzichten?

Derzeit spiele ich nicht mehr das ganze Stück, sondern nur noch Auszüge. Immer mit dabei sind Isoldes Koffer und Stuhl. Ich habe ihren Stuhl tatsächlich schon mit Bus und Bahn und Flugzeug durch die ganze Welt getragen – bis nach Israel und Indien ist er schon gereist!

Du trittst auch als „lebende Statue“ auf. Wie hältst du es mehrere Stunden aus, dich nur vereinzelt zu bewegen? Woher kommt eigentlich diese Art der Performance?

Als Statue arbeite ich schon länger nicht mehr. Ich habe diese Arbeit aber 7 Jahren genossen und geliebt. Ich habe meist 3 bis 6 Stunden stillgestanden, ohne blinzeln, aber mit Pausen. Das Spiel mit den Passanten war dabei mein Hauptfokus. Dennoch gibt es natürlich viele lange absolute Stillzeiten und nach jeder Münze immer wieder die Rückkehr in die Stille. Es ist eine sehr meditative Arbeit. Sie hat mich fokussiert und mich in eine unglaubliche innere Ruhe versetzt. In meinen Statuen-Jahren habe ich viel Yoga gemacht und meditiert, das hat sicherlich geholfen, das lange Stehen im Stillstand rein körperlich auszuhalten. Ihren Ursprung hat die Idee der „lebenden Statue“ wohl in der Pantomime.

 

Der Echtheit der Persönlichkeit auf den Grund gehen

Bibi Sabine Eitel trat 7 Jahre lang als „lebende Statue“ auf. Diese meditative Arbeit hat ihr zusammen mit Yoga viel innere Ruhe gegeben. Heute reist die 42-jährige Zirkuspädagogin und Schauspielerin in ihrer Rolle als Clown Isolde durch die Weltgeschichte. Immer dabei: Isoldes Koffer und Stuhl – diese Utensilien hatte sie schon im Flugzeug nach Indien oder Israel dabei. Mit viel Neugierde, Feingefühl und einer großen Offenheit für die Unterschiedlichkeit der menschlichen Charaktere findet Bibi Zugang zu den Menschen, die zu ihrer Performance oder ihren Workshops kommen.

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