Der Retter alter Gebäude

Veröffentlicht am 25 November 2019 von Verena Arnold
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Das Aushängeschild vieler Städte sind historische Gebäude wie imposante Stadthallen oder beeindruckende Kirchen. Doch an den Fassaden und Verzierungen nagt der Zahn der Zeit. Um die Gebäude zu retten und zu erhalten, ist es unumgänglich, die Gebäudeelemente zu restaurieren. So wird ermöglicht, dass Menschen noch lange die wunderschönen Arbeiten bewundern können. Für diese Restaurationsarbeiten werden spezialisierte Handwerker benötigt – sogenannte Stuckateure. Dieses relativ unbekannte Berufsfeld umfasst einen sehr relevanten Tätigkeitsbereich. Sie machen es sich zum Ziel, den Glanz früherer Zeiten zu erhalten.

Hans Georg Fabry ist 1959 in Heinsberg Porselen in dem Haus geboren, in welchem er seitdem lebt und seine Werkstatt mit drei Gesellen führt. Schon als kleiner Junge hatte er Freude an figürlichen Dingen und formte häufig Objekte aus Lehm. Nach seinem Hauptschulabschluss begann er eine Stuckateurausbildung im Betrieb seines Onkels und schloss diese 1977 als Kammersieger ab. Nach der Schule, die eine Qual für ihn war, bekam er in der Lehre viel Freude am Lernen – es fiel ihm leicht, komplexe Aufgaben zu lösen, die einen Praxisbezug hatten und er hatte Spaß daran zu sehen, wie seine Hände Dinge entstehen ließen. Auch Proportionen in den Werken ausgewogen entstehen zu lassen, fiel ihm leicht. Im Anschluss an die Lehre nahm er 1977 am Landeswettbewerb und Bundeswettbewerb teil, bei welchen er den ersten und vierten Platz belegen konnte. Nach der Ausbildung musste er aus dem familiären Milieu ausbrechen und arbeitete als Zeitsoldat bei der Marine. In dieser Zeit erlernte er Krankenpfleger als zweiten Beruf.

Im Anschluss an die Bundeswehrzeit arbeitete er drei Jahre als Stuckateurgeselle im Betrieb seines Onkels, was als Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung diente. Seinen Meister machte er in Eslohe und bekam dort ein Stipendium für Gewölbebau am europäischen Ausbildungszentrum für Handwerker im Denkmalschutz in Venedig Insel san Servolo von der Fa. RSM. Dort lernte er seinen neuen Arbeitgeber, die Familie Belz in Bonn, kennen. Mit der Familie Belz gestaltete er die Villa Hammerschmidt mit Stuck neu, als Carl Carstens ging und Richard Weizsäcker kam. Danach musste sein Arbeitgeber ihn aufgrund von Arbeitsmangel entlassen.

Er absolvierte einen Stuckmarmorkurs in Venedig San Servolo beim Meister Siller und wurde direkt danach in seinem Betrieb eingestellt. Dort arbeitete er mit der Familie Siller an namhaften Objekten wie dem Wilhelmatheater in Stuttgart, der kanadischen Bank in London oder Schloss Neuenfelde. Als die Familie Siller mit der gesamten Belegschaft einen großen Auftrag in Riad abwickeln wollte, musste er aus familiären Gründen kündigen – er wollte seine Kinder aufwachsen sehen. Hans Georg Fabry stellte daraufhin einen Antrag bei der Sonderbegabten-Stiftung in Berlin auf ein Stipendium zum Restauratorkurs in Venedig und wurde genommen. Nach einem dreimonatigen Studium absolvierte er erfolgreich die Prüfung.

Danach bewarb er sich bei mehreren Betrieben, fand aber aufgrund seiner „Überqualifizierung“ keine neue Stelle. Er entschloss sich, die Selbständigkeit anzustreben, was ihm mit 18.01.1988 auch gelang. Als Einzelkämpfer restaurierte er die Kinzweiler Burg und den Napoleon Gewölbekeller – das fand breite Zustimmung beim Landeskonservator Dr. Bauer aus Brauweiler. Kurze Zeit später stellte er eine Auszubildende ein und bis heute hat er neun Stuckateurgesellen ausgebildet. Zudem unterrichtet er seit 2009 für die Handwerkskammer Aachen als Dozent Meisterschüler in Simmerath.

Hans Georg Fabry und sein Team haben seitdem an zahlreichen namhaften Gebäuden gearbeitet und Stuck, beziehungsweise Stuckmarmor restauriert – beispielsweise die Stadthalle Wuppertal mit 20 Stuckmarmorsäulen oder die Schlosskirche Schloss Brühl, wo sie die beiden Seitenaltären von Balthasar Neumann unter Einbezug der noch vorhandenen Teile in Stuckmarmor neu gebaut haben. Außerdem stellten sie acht Stuckmarmorsäulen im Kunstpalast Düsseldorf neu her, restaurierten im Haus Hohenbusch den Stuckmarmorkamin und waren in der Kunsthalle Hamburg verantwortlich für die Restaurierung und Neuherstellung von Stuckmarmor im Vestibül des Backsteinbaus. Sie arbeiten mit Freude und Leichtigkeit an namhaften Objekten und die Arbeit wird nie langweilig, da sie sehr vielseitig ist.

Unser Interviewpartner Hans Georg Fabry ist Stuckateur

Hans, seit wann existiert dein Stuck-Atelier und wo hast du deine Ausbildung zum Stuckateur und Restaurator im Stuckateurhandwerk gemacht? Welcher Teil deines Lebens hat dich mehr geprägt – die praktische Ausbildung oder deine »akademischen« Studien zu historischen Gebäuden?

Seit 1988 – also seit 31 Jahren. Meine Ausbildung zum Stuckateur habe ich im Betrieb meines Onkels gemacht. Die Meisterschule und Prüfung habe ich in Arnsberg (Eslohe) absolviert. Dann folgte die Ausbildung zum Restaurator in Venedig, gefördert durch die Sonderbegabtenförderung in Berlin mit abschließender Prüfung. Dann habe ich noch den Restaurator im Handwerk an der Akademie Schloss Raesfeld gemacht. Die kunsthistorischen Kenntnisse sowie ausgefallenen Handwerkstechniken zu erlernen und auszuüben, haben mir gleichermaßen Freude bereitet. Beides hat mich beflügelt, höhere Ziele zu erreichen, was mir im Lauf der Jahre gelungen ist.

 

Was gehört zu deinem Leistungsspektrum? Welche Art von Stuckarbeiten führt dein Stuck-Atelier durch und wo werden deine Stuckarbeiten überall angebracht? Führst du überwiegend Restaurierungen durch oder bringst du Stuckarbeiten auch neu auf?

Stuckmarmor an erster Stelle genannt, mit dieser Technik haben wir die höchsten Ziele erreicht. So haben wir zum Beispiel die beiden Seitenaltäre in der Schlosskirche Schloss Brühl unter Einbezug der noch vorhandenen originalen Teile aus den 1750er Jahren in Stuckmarmor neu erstellt. Die 20 Stuckmarmorsäulen in der historischen Stadthalle in Wuppertal haben wir auch gerettet.

Die Restaurierung von Fassaden steht an zweiter Stelle, inklusive der Entfernung alter Farbbeschichtungen. Dort haben wir in den letzten drei Jahren die Ruine Gut Kaisersruh in Aachen wieder zu neuem Leben verholfen.
Die Restaurierung von historischen Stuckdecken steht an dritter Stelle, inklusive der Entfernung alter Farbschichten. Viel wunderschöne Stuckdecken, die hinter abgehängten Gipskartondecken zum Vorschein kamen, haben wir gesäubert und mit Repliken komplettiert.
Klassische Stuckdecken fertigen wir schon von Beginn an in unserer Werkstatt nach alter Väter Sitte. Es gibt kaum einen Kundenwunsch, den wir nicht erfüllen können. Die meisten Stuckdecken sind Unikate, dafür modellieren wir Einzelstücke, bauen Kautschukformen und produzieren Stuckelemente. Diese werden dann in wunderschönen Villen montiert und auf Wunsch auch farbig gefasst. Unser Arbeitsbereich geht bis Mallorca, dorthin haben wir letztes Jahr einen Stuckkamingewände geliefert und montiert. Neuerdings wende ich alte Techniken in meinen Plastiken an und verkaufe diese an Kunden oder an Galeristen.

 

Mit welchem Werkzeug arbeitest du am liebsten? Hast du dieses Tool aufgrund der Marke ausgesucht und wenn ja, warum? Welchen deiner Ansprüche an gutes Werkzeugs erfüllt diese spezielle Gerätschaft?

Die Werkzeuge, die wir benutzen, werden langsam rar. Die Familie F.W. Rosenbach in Remscheid hat noch einige gängige Werkzeuge im Repertoire. In der Ausbildungszeit in Venedig habe ich Grundkenntnisse im Schmieden von Metall erlangt, teilweise machen wir unsere Werkzeuge selber. Wir arbeiten selten mit Maschinen, eine Stichsäge, eine Bohrmaschine und mehrere Akkuschrauber reichen als übliches Handwerkszeug aus. Speziell wird es bei Freilegen der Stuckdecken von alten Farbbeschichtungen genutzt, dort habe ich in einen Abdampfer (Steamer) investiert. Dieser Steamer ist kein Produkt von der Stange. Wir arbeiten auch ab und an mit einem Wirbelstrahlgerät, um Restbestände von Fassadenfarben abzustrahlen.

Worauf kommt es bei der Restaurierung von historischem Stuck an? Was musst du bei der Restaurierung von historischen und denkmalgeschützten Gebäuden beachten? Welche gesetzlichen Vorschriften gibt es dabei zu beachten?

Die Denkmalämter begleiten die Arbeiten in der Regel. Insofern ist es üblich, dass wir alles dokumentieren, das heißt den Bestand (Ist-Zustand) fotografisch und zeichnerisch zu erfassen und diesen Zustand zu kartographieren, falls noch nicht im Vorfeld geschehen. Anschließend ist die Restaurierung mit Sorgfalt durchzuführen – sprich nicht unnötig mehr zu zerstören als erforderlich ist. Mörtelrezepturen zu analysieren und einzuhalten, gehört auch zu den Tätigkeiten, ebenso genügend Musterflächen anzulegen und mit den Denkmalämtern abzustimmen. In der Regel wird nach erfolgter Restaurierung noch eine Abschlußdokumentation erstellt.
In Venedig habe ich bei der Ausbildung gelernt, dass die Charta Venezia  (https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwinkt_AiY_lAhWBGuwKHRSOC6YQFjAAegQIAxAB&url=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FCharta_von_Venedig&usg=AOvVaw2criW3ZfnjfMn5gNERFKPS) für die Restaurierung die Grundlage ist.
Natürlich ist aller Anfang schwer, aber im Lauf des Tätigkeit als Stuckateur und Restaurator häufen sich die Referenzen. Diese sind überaus wichtig, wenn man an gute Aufträge kommen will.

 

Ein sehr vielfältiger Beruf

Als Stuckateur steht man täglich vor neuen Aufgaben. Jedes Gebäude stellt andere Anforderungen und benötigt unterschiedliche Restaurationsarbeiten. Dafür werde spezifische Werkzeuge verwendet, die Hans Georg Fabry zum Teil selbst herstellt. Durch seine umfangreichen Ausbildungen verfügt er über ein breit gefächertes Repertoire an Fachwissen, welches ihm in den verschiedensten Situationen zugute kommt. Er und sein Team konnten bereits zahlreiche bekannte Gebäude restaurieren und sind mit Leidenschaft bei der Arbeit. Je nach Kundenwunsch werden nicht nur alte Elemente restauriert, sondern auch neue Stuckdecken oder Unikate geformt und in die Fassaden integriert.

 

Danke für den Bericht, habe nur den Ort der Meisterprüfung auf Eslohe geändert.

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