Die Arbeit hoch oben in den Baumkronen

Veröffentlicht am 14 Oktober 2019 von Verena Arnold
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Klettern ist für viele Menschen ein Hobby. Andere machen einen ganz besonderen Beruf daraus – indem sie auf Bäumen hochsteigen. Professionelle Baumpfleger müssen in jedem Fall schwindelfrei sein, um sich unfallfrei hoch oben in den Wipfeln um die Bäume kümmern zu können. Dafür muss man nicht nur ein erfahrener Kletterer sein, sondern auch einiges an Fachwissen über die Bäume im Hinterkopf haben. Die richtige Pflege oder das korrekte Fällen ist ein sehr komplexes Themengebiet, daher sollte man sich als Laie auf keinen Fall selbst darum kümmern, sondern immer einen Profi engagieren.

Benedikt Morbach-Oesterle ist 37 Jahre alt und wurde am Fuße des Schwarzwalds in Achern geboren, wo er auch aufwuchs. Seit zwei Jahren ist er verheiratet und ist Vater von 3 Töchtern. Er würde sich selbst als sehr ausgeglichenen und zufriedenen Familienmenschen beschreiben, der sich stark über seinen Beruf als Baumpfleger identifiziert. Seine Arbeit begeistert und fordert ihn jeden Tag aufs Neue und bringt ihn immer wieder an seine persönlichen Grenzen. Sein Werdegang in der grünen Branche begann im Jahr 2003 – nach Abitur und Zivildienst – mit der Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Der Ausbildungsbetrieb war auf die Umgestaltung von Gärten und insbesondere den Bau von Natursteinmauern spezialisiert – er hatte daher noch keine Berührung mit dem Bereich Baumpflege. 

Im Rahmen der Ausbildung lernte er einen anderen Auszubildenden kennen, der zu diesem Zeitpunkt seine Ausbildung bei einem Baumpflegeunternehmen machte. Dieser nahm ihn mehrfach privat mit in den Baum. Tatsächlich waren diese „Erstbegehungen“ einer großen Eiche die Initialzündung für Benedikt Morbach-Oesterle, nach der Ausbildung in die Richtung des Baumpflegers fortzuschreiten. Die Vorstellung, für die Arbeit am Seil – auch wenn es damals noch anstrengend war, sich den Baum hoch zu quälen – bezahlt werden zu können, war für ihn einfach reizvoll. Gegen Ende seiner Ausbildung finanzierte er sich seinen ersten Kletterkurs und die Grundausrüstung selbst und musste sich hierfür sogar Urlaub nehmen.
So hatte er nach Abschluss seiner GaLaBau-Ausbildung gleich etwas in der Hand, was ihn für potentielle Baumpflege-Firmen etwas interessanter machte. Die Suche nach einem Baumpflegeunternehmen für ihn war deshalb nicht schwierig, zudem es in dieser Branche sowieso immer schwierig ist, Fachkräfte zu finden.

Nach Abschluss der Lehre arbeitete Benedikt Morbach-Oesterle circa ein Jahr als angestellter Baumkletterer bei einer Firma in Baden-Baden. Da die Arbeitsbedingungen bei dieser Firma nicht besonders gut waren und er mehrere Firmeninhaber kennengelernt hatte, die ihn zumindest immer wieder zeitweise als Baumkletterer gebrauchen konnten, wagte er sich im September 2006 in die Selbstständigkeit. Nach einigen Jahren der bundesweiten Arbeit als Subunternehmer absolvierte er im Jahr 2010 die Fortbildung zum Fachagrarwirt an der LVG Heidelberg. Da ihm diese Fortbildung aber nicht genügend Tiefgang – vor allem im Bereich Baumphysiologie, Gehölzpathologie und Bodenkunde – bot, zog er zwei Jahre später nach Göttingen, um das Studium der Arboristik an der HAWK zu besuchen, welches er im Jahr 2005 als B.Sc. Arboristik abschließen konnte. 

Seitdem ist er wieder in seiner Wahlheimatstadt Baden-Baden als kletternder Baumpfleger und Baumsachverständiger unterwegs, wo er fest in einer Arbeitsgemeinschaft mit Klaus Walter (Fa. Die Baumspezialisten aus Sinzheim) zusammenarbeitet. Dieser ist bereits seit über 25 Jahren in unserer Gegend etabliert, sodass er einen relativ großen Kundenstamm aufgebaut hat. Der eigene Kundenstamm von Benedikt Morbach-Oesterle wächst und gedeiht, sodass er vor einem halben Jahr mit einem 450€-Angestellten begonnen hat, sich als Arbeitgeber zu versuchen. Aller Voraussicht nach wird dieser zum Oktober als feste Arbeitskraft eingestellt werden.

Das Unternehmen ist auf den Schnitt von großen Bäumen spezialisiert. Sie führen aber auch Fällungen auf beengtem Raum und Baumpflanzungen durch. Für die Verrichtung ihrer Arbeit setzen sie fast ausschließlich auf die Seilklettertechnik. Mit dieser können sie baumschonend und effizient auch sehr unzugängliche Bäume bearbeiten. Über die praktischen Arbeiten als Baumpfleger hinaus, bieten sie das gesammelte Wissen aus über 15 Jahren Erfahrung in der grünen Branche als Baumsachverständige an. Von Aussagen zur Verkehrssicherheit von Bäumen, über die Baumwertermittlung und Antworten zur Baumstatik gibt es nur wenige Fragestellungen, die sie nicht beantworten können. Ihre Auftraggeber sind dabei nicht nur Privatleute. Sie nehmen regelmäßig an Ausschreibungen der größeren Städten und Gemeinden in der näheren Umgebung teil. Auch der Nationalpark Schwarzwald zum Beispiel setzt auf ihr Know How und ist ein regelmäßiger Auftraggeber.

Unser Interviewpartner Benedikt Morbach-Oesterle ist Baumkletterer

 

Was fasziniert dich an Bäumen? Was fühlst du, wenn du einen Baum besteigst?

Bäume strahlen eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus, sind aber gleichzeitig so massiv und ausgeklügelt konstruiert. Stürme, Kahlfraß oder Hagelschauer können einem Baum wenig anhaben, wenn er einigermaßen gesund und vital ist. Es ist faszinierend, wie ein so ortsgebundener Organismus allen äußeren Einflüssen trotzt und in der Interaktion mit seiner Umwelt zu solch schönen, beeindruckenden Geschöpfen heranwächst. Da jeder Baum seine ganz individuelle Gestalt annimmt, gleicht kein Arbeitstag dem nächsten.
Das Arbeiten im und am Baum erdet mich. Vor allem das Beklettern von großen, alten Bäumen hat seinen ganz besonderen Reiz. Ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn ich mich für den Aufstieg in einen imposanten Alt-Baum vorbereite. Gerade in der Vegetationszeit, wenn alles um einen herum grünt, raschelt und sich im Wind bewegt, ist das Arbeiten in so einem Geschöpf einfach purer Spaß.
Manchmal fühle ich einfach nur Ehrfurcht vor der Schönheit und den Möglichkeiten von „Mutter Natur“ oder auch Dankbarkeit dafür, dass ich mich tagein, tagaus mit Bäumen beschäftigen und in ihnen aufhalten darf.

 

Was ist dein Lieblingsbaum und warum?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da es stark darauf ankommt, in welchem Bezug die Frage gestellt wird. Deshalb habe ich hierfür mehrere kurze Antworten für Sie!

Mein Lieblingsbaum…

im Frühling:
Die Ross-Kastanie, da es einfach immer wieder unglaublich ist, wie viele Blätter in der großen, klebrigen Knospe dieser Baumart vorangelegt sind.

Im Sommer:
Die Linde, denn sie macht es uns Baumpflegern durch ihr dichtes Kronendach leicht, auch die „Ü30Grad-Arbeitstage“ zu ertragen.

Im Herbst:
Der Ahorn, weil er an sonnigen Arbeitstagen durch seine goldgelbe Herbstfärbung förmlich zu glühen scheint.

Im Winter:
Die Eiche, weil seine grobe Borke uns auch in schneebedecktem Zustand noch einen recht sicheren Stand bereithält.

Zum Klettern:
Die Platane, da sie im ausgewachsenen Zustand durch ihren offen, astfreien Wuchs im Kroneninneren klettertechnisch Spaß macht wie keine zweite Baumart.

Im Allgemeinen:
Alte Linden jedoch sind meine größten Favoriten. Durch ihr weiches Holz lassen sie sich mit wenig Kraftaufwand beschneiden. Sie zeigen durch Absterbeerscheinungen und andere Syptome recht eindeutig, wo ihre Problemstellen liegen und halten bei größeren Kroneneinkürzungen immer eine geeignete Ableitung für unseren Schnitt bereit. Auch sind sie im Kroneninneren häufig verhältnismäßig frei, sodass wir uns gut durch ihre Krone bewegen können. Ihr überhängender Wuchs in der Kronenperipherie hält regelmäßig kleinere Herausforderungen bereit.
Tatsächlich trägt meine dritte Tochter ihren wissenschaftlichen Artnamen: Tilia.

 

Was ist unerlässlich für das Besteigen eines Baumes?

Um diesen Beruf auszuüben, sollte man nicht nur schwindelfrei sein und gerne draußen arbeiten wollen. Gerade im Winter stoßen wir immer wieder an unsere persönlichen Leistungsgrenzen. Hierfür ist es unerlässlich, dass man psychisch stabil und belastbar ist, um diese Grenzerfahrungen ohne gröbere Fehler im Baum zu überstehen.
Hierfür ist auch das Vertrauen in seine Arbeitskollegen enorm wichtig. Im Falle eines Unfalls im Baum muss der Kollege fähig sein, mich zügig zurück auf den Boden zu holen. Wenn man seinen Kollegen auf der Bau(m)stelle nicht jedes Rettungsszenario zutraut, wirkt sich das automatisch auf die eigene Leistungsfähigkeit aus. Man ist gehemmter und klettert automatisch etwas langsamer, schaut mehr auf seine eigene Sicherheit.
Überhaupt würde ich die Baumpflege als „Teamsport“ bezeichnen. Ein Baumkletterer ist, gerade in komplizierteren Fällszenarien, immer nur so gut wie die Kollegen, die ihm auf dem Boden beistehen.

 

Welche Arten von Bäumen sind besonders schwer zu fällen und warum?

Die Baumart ist weniger entscheidend, was den Schwierigkeitsgrad der Fällung betrifft. Generell kann man sagen, dass Laubbäume schwerer zu fällen sind als Nadelbäume, da letztere häufig einstämmig sind. Es ist vor allem der Zustand und die unmittelbare Umgebung des Baumes, die den Schwierigkeitsgrad der Fällung bestimmen.
Abgestorbene, beziehungsweise abgängige Bäume sind häufig etwas komplizierter zu fällen. Das Holz verändert durch die Zersetzung von außen einwirkender Pathogene seine Eigenschaften. Es bricht nicht mehr, wie man es von der jeweiligen Baumart gewohnt ist. Die Elastizität des Holzes ist deutlich herabgesetzt. Häufig sind Äste und der Stamm im Inneren bereits deutlich zersetzt oder hohl. Dies führt dazu, dass man von außen betrachtet nicht immer klar einschätzen kann, wie viel Holz des jeweiligen Querschnitts noch belastbar oder tragfähig ist. Es bedarf bei solchen Fällungen deshalb einiges an Erfahrungen bei der Wahl des eigenen Ankerpunktes und des Anschlagpunktes des Ablassseils. Die Balance zwischen Effizienz und Sicherheit ist bei solchen Bäumen immer etwas schwerer zu halten als bei gesunden Bäumen.

Um diesen Beruf auszuüben, sollte man nicht nur schwindelfrei sein

 

Ein Teamsport mit immer neuen Herausforderungen

Baumpfleger zu sein ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, da kein Baum dem anderen gleicht. Zudem ist jeder Baum mit einer eigenen Umwelt verbunden, die auch jedes Mal einzigartig ist und viel Flexibilität und Geschick der Baumpfleger erfordert. Daher ist das Baumpflegen auch eine Art Teamsport, da man verlässliche und kompetente Kollegen braucht, auf die man sich in jeder Situation verlassen kann. Vor allem abgestorbene Bäume bieten ein besonderes Risiko, da sie oft hohl sind und sich beim Fällen nicht so verhalten, wie man es von der jeweiligen Baumart gewohnt ist. Es erfordert viel Erfahrung und Fachwissen, um mit solchen Herausforderungen sicher und professionell umgehen zu können.

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