„Die Welt ist voller Geschichten, die erzählt gehören”

Veröffentlicht am 24 Juli 2019 von Verena Arnold
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Ob Studenten, Autoren, Verlage oder sonstige Unternehmen – jeder kennt das: Die Deadline rückt näher und es ist noch so viel rund um eine wissenschaftliche Arbeit, ein Manuskript oder einen Artikel zu tun. Ist der Text dann einmal fertig verfasst , stellen sich für den Feinschliff bald weitere Fragen: Ist alles korrekt formatiert und formuliert oder für den Leser verständlich und spannend aufbereitet? Ein zweiter, unabhängiger Blick kann da oft weiterhelfen.  

„Dinge benennen und auf den Punkt bringen”, ist laut Daniela Höhne ihre Aufgabe als freie Lektorin. Auch wenn es manchmal recht undankbar sein kann, einen engagierten Autor kritisieren zu müssen, hielte sie es doch ganz mit der „kessen, aber immer sehr freien und ehrlichen Art” der Berliner. – Dort wurde Daniela nämlich geboren, absolvierte hier ihr Studium der Diplom-Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität und ist zu einer “bekennenden Urban-Balkongärtnerin” inmitten der lauten Großstadt geworden. 

Schon immer von ihrer Muttersprache und dem Berliner Dialekt begeistert, hat Daniela bereits 2001 in Zusammenarbeit ein Online-Schreibforum ins Leben gerufen, das lange Zeit für alle Gerneschreiber offen stand. Ihr freies Lektorat „Verlorene Werke” hat sie 2012 gegründet, nachdem sie schon einige Erfahrungen während ihres Studiums sammeln konnte. Tätig war sie dabei als Roman- und Filmkritikerin, Journalistin oder Lektorin. Dabei kam sie dann auch auf die Idee, Gutachten für Verlage zu verfassen und ihr gesamtes Wissen, das sie in den Redaktionen gesammelt hatte, für ihre Berufung einzusetzen. 

Ihr Unternehmen führt sie allein, doch dagegen habe sie auch nichts einzuwenden, denn bei der Textarbeit sei es ohnehin von Vorteil, wenn keine Türen knallen. – Ein Netzwerk von Gleichgesinnten stünde ihr aber immer zur Verfügung. 

Unsere Interviewpartnerin Daniela Höhne leitet das freie Lektorat

 

Daniela, du leitest das freie Lektorat „Verlorene Werke“. Wie bist du auf die Idee gekommen, die Tätigkeit einer freien Lektorin auszuführen? Was macht dir an deiner Tätigkeit besonders Spaß? 

Die Liebe zum geschriebenen Wort begleitet mich von jeher. Denn die Welt ist voller Geschichten, die erzählt gehören und die nur entdeckt werden müssen. So einzigartig wie jeder Autor, so einzigartig ist auch jeder Text. Obwohl es auf den ersten Blick um die deutsche Sprache und ihre Verwendung geht, hat doch jeder Schreibende seine eigene Art, sich in ihr zu verewigen. Das hat mich schon als Kind wahnsinnig fasziniert.

Es waren mehrere (Lebens-)Bausteine, die zusammengewürfelt ein großes Ganzes ergaben. Welche genau, kann auf meiner Homepage nachgelesen werden: http://www.verlorene-werke.de/

Ich liebe es, in eine Geschichte einzutauchen und deren Hintergrund kennenzulernen. Zusammen mit dem Autor ein Konzept zur Ausbesserung aufzustellen und schließlich einen kleinen eigenen Fußabdruck zu hinterlassen. Und natürlich liebe ich es auch, meine eigene Chefin zu sein. 

 

Welche verschiedenen Dienstleistungen bietest du an? Auf welche Details achtest du im Korrektorat grundsätzlich? Welche Inhalte überprüfst du im Lektorat? In welchen Fällen fordern Kunden ein Gutachten an und welche Ratschläge gibst du in der Textarbeit an deine Schüler weiter? 

Ich bearbeite im Lektorat ganz unterschiedliche Werke; bei Kurzgeschichten müssen andere Dinge beachtet werden als bei einem dreihundert Seiten langen Roman als bei einem Heftroman. Auf diese geschickt einzugehen, ist nicht immer einfach, aber auf jeden Fall machbar.

Nicht nur für das reine Verstehen eines Textes ist die Kenntnis der deutschen Schreibsprache und deren Regelungen wichtig. Erfahrungsgemäß sind Geschichten, die über eine eher durchwachsene Rechtschreibung verfügen, auch inhaltlich und sprachlich-gestalterisch genau das: durchwachsen. Das Schreiben eines Textes ist mit dem Komponieren von Musikstücken zu vergleichen. Ohne Kenntnis über Noten und deren korrekten Einsatz auf dem Papier – ganz zu schweigen davon, wie sie klingen – ist das nur schwerlich möglich. So kann in etwa der Gebrauch von Satzzeichen in einem Schrifttext den Sinn und den Klang einer Information verändern, ihr die Energie rauben oder sie einzigartig machen.

Ähnlich verhält es sich mit den Dingen, die „Schreibhandwerk“ genannt werden und auf die ich im Lektorat näher eingehe. Ein solches hat aber natürlich seinen Preis. Nicht alle können sich das leisten, hätten aber trotzdem gern eine qualifizierte Rückmeldung, vor allem wenn das eigene Werk bei Testlesern oder sogar Verlagen nicht ganz so gut angekommen ist. Ein Gutachten analysiert den Text auf Stärken und Schwächen, enthält eine ausführliche und fundierte Meinung dazu und zeigt schonungslos ehrlich, wo unter Umständen noch einmal neu angesetzt werden muss. Dabei werden aber auch Qualitäten gewürdigt und Fähigkeiten hervorgehoben. Der Autor weiß nach einem Gutachten auf jeden Fall, ob ein Lektorat für ihn schon Sinn macht oder ob er noch ein wenig werkeln muss.

Ich prüfe und achte grundsätzlich auf alles und gebe das dann auch an meine Kunden weiter. 

 

Welche Hilfsmittel verwendest du für deine Korrektur- und Lektoratsarbeiten? Welche Utensilien gehören zur Grundausstattung einer freien Lektorin?

Neben dem Offensichtlichen wie einem PC mit gängigem Schreibprogramm ist das wichtigste Utensil die Erfahrung, die ein Lektor mitbringt. Dazu gehört nicht nur die umfassende Kenntnis der deutschen (Schreib-)Sprache oder alles zu Aufbau und Umsetzung einer fiktiven Story, sondern auch jene um das oftmals sensible Wesen eines Autors, wenn es um seinen Text geht. Ein wenig Feingefühl gehört in jedem Fall dazu. Rotstift und Duden existieren heutzutage meist nur noch digital. 

 

In welchen Fällen rätst du Personen dazu, bei der Anfertigung eines Textes eine Expertin wie dich als freie Lektorin hinzuzuziehen? Welche beruflichen oder sonstigen Vorteile ergeben sich für Schüler oder Teilnehmer deines Coachings bei Inanspruchnahme deiner Dienstleistungen?

In jedem. Es gibt ein Phänomen, das wir alle kennen werden: Bei eigenen Texten wird man blind. Je öfter man über die Buchstaben liest, desto mehr verwandelt sich das Geschriebene in das, was man haben möchte und nicht in das, was wirklich dasteht. Im Idealfall gibt es dann jemanden, der noch einmal zusätzlich Fehler raussammelt, aber meistens nicht.

Jemanden mit Erfahrung dafür zu beauftragen, macht durchaus Sinn. Stilistisch lässt sich immer noch einiges verbessern, Wortwiederholungen, Füllwörter oder die gefürchteten Klischeesätze. Einige Lektoren liefern ausführliche Erklärungen und Anmerkungen zum Text und so lässt sich oft noch Neues lernen. Für die eigene Weiterentwicklung bekommt der Autor also meist zusätzlich etwas geboten – und hat zudem immer einen persönlichen Ansprechpartner, der auf seine Sorgen und Nöte eingehen kann.

Gesprochene und geschriebene Sprache unterscheiden sich, was wir im Alltag leider oft vergessen. Briefe sind obsolet geworden, stattdessen kommunizieren die Emoticons miteinander und erzählen Geschichten über Bilder und Symbole. Was in der Freizeit funktioniert, kann beinahe unüberwindbare Hürden im Job schaffen, denn Gedanken muss jeder von uns von Zeit zu Zeit näher ausformulieren. Auch und besonders als angehender Autor. Zwar gibt es eine ganze Menge hilfreicher Ratgeberliteratur, doch am meisten wird immer noch durch tun gelernt. Direkt am Werk ist neben dem Autor nur ein Lektor – darum bitte nie am falschen Ende sparen.

Dinge benennen und auf den Punkt bringen

 

Texte müssen komponiert werden 

Den richtigen Ton zu treffen, ist für den Erfolg eines Werks entscheidend. Daher ist professionelle Hilfestellung bei Sprache und Aufbau mitunter eine gute Investition: Ein unabhängiges Gutachten kann auf die Schwächen des Textes aufmerksam machen, aber auch die Qualitäten und das vorhandene Potenzial hervorheben. So weiß ein Autor, wo er steht und wie viel Arbeit er noch in sein Projekt stecken muss – und bekommt dabei außerdem persönliche, konstruktive Unterstützung. 

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