Energie bewusst mit Kontrolle einsetzen

Veröffentlicht am 22 Juli 2019 von Verena Arnold
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Mittlerweile hat sich die bei uns lange eher als unbekannt geltende Form der Kampfkunst namens Aikido auch eingefunden. 

Als Ursprungsland gilt Japan, wo es am Anfang des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei begründet wurde. Spirituellen Einfluss darauf hatte Deguchi Onisaburo. 

Der Name Aikido ist eine Zusammenführung von 3 unterschiedlichen Begriffen, die zentral für die Kunst sind. 

Der erste lautet “Ai” und bedeutet Harmonie, der zweite ist “Ki”, was übersetzt Lebensenergie heißt und der letzte ist der “Do “ – der Lebensweg. Diese Elemente ergeben zusammen Aikido, was so in etwa “Weg zur Harmonie durch die eigenen geistige Kraft” heißt.

Der studierte Ökonom Heiko Kieser, hat direkt nach seinem Abitur den Weg zum Aikido gefunden und bei Walter Oelschläger, dem obersten Lehrer des Aikido-Verbandes namens “3A Deutschland”, seine Ausbildung gemacht.

In Kursen oder auch Seminaren teilt er sein Wissen mit Interessierten in der Aikido-Akademie in Augsburg. 

Unser Interviewpartner und Aikido Trainer Heiko Kieser

 

Heiko, du hast im Jahr 1994 begonnen, ein Aikido-Kursangebot an der Volkshochschule Augsburg anzubieten. Wie ist aus diesem Kursangebot deine Aikido Akademie entstanden? Seit wann übst du persönlich Aikido aus und welche Prüfungen hast du abgelegt, um als Trainer im Aikido tätig zu sein?

Ich begann 1991 intensiv Aikido zu studieren. In der Stilrichtung »Kobayashi-Aikido«, in der ich trainiere, ist es üblich und auch sinnhaft zum ersten schwarzen Gürtel (1. Dan) bereits eine eigene Gruppe zu unterrichten. Dies liegt darin begründet, dass man die erlernten Techniken und gewonnenen Erkenntnisse zwischen Braungurt (1. Kyu) und der Prüfung zum 1. Dan nochmals von einer anderen Seite betrachten und vor allem prüfen soll. Bis zum Braungurt sollten in unserer Stilrichtung eigentlich alle Techniken bekannt sein, und nun müssen sie bis zum schwarzen Gürtel nochmals vertieft werden. In einer eigenen Gruppe gibt es die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten körperlichen Fähigkeiten und mit den daraus resultierenden unterschiedlichsten Fragen von simpel bis kritisch, und genau durch jene Vielfalt werden die eigenen Überzeugungen nochmals einer intensiven Prüfung unterworfen. Das heißt auch der Lehrer (Trainer) profitiert und lernt von den eigenen Schülern (Kursteilnehmern).

Als ich 1994 meinen ersten Kurs an der örtlichen Volkshochschule angeboten habe, war das Programmheft noch sehr überschaubar. Auch gab es noch nicht so viele Aikido-Vereine bzw. Angebote anderer Kampfkünste. Die Teilnehmerzahl wuchs gegebenermaßen schnell und so kam nach kurzer Zeit der Wunsch der Teilnehmer, in einem Verein organisiert zu sein. Automatisch entstanden so mehrere Trainings parallel. Nach und nach entwickelten sich auch Schüler wieder zum Schwarzgurt und bildeten eigene Gruppen durch das Bedürfnis, das Wissen weiterzugeben.

 

Welche Ziele verfolgt die Kampfkunst Aikido? Welche positiven Auswirkungen hat die Sportart auf die Schüler? Für wen eignet sich Aikido und ab welchem Alter kann man in der Aikido-Akademie in Augsburg trainieren? Sind Vorkenntnisse erforderlich?

Es gibt in den Kampfkünsten unterschiedliche Schwerpunkte, von der reinen Selbstverteidigung über den Wettkampfsport bis hin zur körperlichen Fitness durch Bewegung oder dem Streben nach geistiger, metaphysischer Erkenntnis. Das hängt eigentlich mehr von den Schwerpunkten und dem Lebensweg des Lehrers ab, als von der jeweiligen Kampfkunst.

Den unterschiedlichen Stilen im Aikido ist wohl gemein, dass sie eher fließende, nicht blockende Bewegungen einsetzen, die die Aktion und Kraftrichtung des Angreifers in die eigene Aktion mit einbeziehen. Einfach ausgedrückt, wird man gestoßen, so wird man diesen Stoß nicht blocken und rasch zurückschlagen, sondern ausweichen und diesen Angriff so lenken, dass dessen Energie für die eigenen Technik genutzt werden kann. Der Japaner würde sagen »Ki no musubi«, frei übersetzt, man sollte sich in der Bewegung von Herz zu Herz mit dem Partner verbinden. Dadurch resultiert eine Geisteshaltung, die nicht dagegen geht, sondern Impulse der Anderen aufnimmt und zu etwas Neuem wandelt. Der Wettstreit-Gedanke tritt in den Hintergrund, Entspanntheit und heitere Gelassenheit treten hervor. Diese Art zu denken wird sich auch im Alltag widerspiegeln, bei dem man von nun an das Leben und seine Hindernisse gelassener entgegennehmen bzw. Aikido-like auf Herausforderungen reagieren kann. Der kooperative Gedanke steht hierbei im Vordergrund.

Kobayashi-Aikido im speziellen ist ein sehr aufrechtes, gesundheitsorientiertes Aikido mit eher kleinen, sehr elaborierten, an der Effizienz ausgerichteten Bewegungen. Mir selbst ist zusätzlich noch die spirituelle Komponente sowie die Übertragbarkeit in den Alltag von großer Bedeutung.

Da es keinen Wettkampf gibt und jeder für die Intensität des Trainings selbst verantwortlich ist, gibt es keine Altersbeschränkung oder Altersklassen. Trainiert wird üblicherweise zusammen auf der Matte (Tatami), gleich welchen Alters oder Graduierung. Die Schüler werden angehalten, die Techniken sauber und präzise gemeinsam zu erarbeiten und dabei die körperlichen Möglichkeiten der Trainingspartner zu beachten.

Der Einstieg in das Training ist jederzeit möglich; es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Der Vorteil einer gemischten Gruppe ist, dass der Anfänger durch den direkten Kontakt mit einem Fortgeschrittenen schneller lernt und der Fortgeschrittene von den Fragen des Anfänger profitiert, da er sich für eine durchdachte Antwort im Vorfeld selbst klar werden muss.

 

Mit welcher Waffe arbeitet man im Aiki-Ken und Aiki-no-Ken? Mit welchem Gegenstand arbeitet man im Vergleich hierzu im Aiki-Jo und im Aiki-no-Jo? Welches Equipment ist zudem notwendig, um am Training in der Akademie teilzunehmen?

Das Bokken (Ken) ist ein Holzschwert, etwa 1m lang. Der Stab (Jo) misst 1,27m. Aiki-Ken/Aiki-Jo bedeutet, dass sowohl Angreifer wie Verteidiger Waffen (Bokken/Jo) tragen. Die Übungen werden somit Waffe gegen Waffe ausgeführt. Aiki-no-Ken/Aiki-no-Jo bedeutet »Aikido mit Angriff durch Ken/Jo«, der Angreifer hat also eine Waffe der Verteidiger nicht. Die beiden Waffen Jo/Ken sind von der Beschaffenheit her so gewählt, dass die Techniken leicht auf andere Waffengattungen übertragbar sind.

Aikido ist von der Grundausstattung im Vergleich zu anderen Sportarten ein sehr günstiges Hobby. Es genügen mittelfristig 2-3 Aikido-Anzüge (Dogi) sowie Stab, Schwert und Holzmesser (Tanto). In Summe sind das rund 200 €, die über Jahre halten. Als Anfänger reicht bequeme Kleidung, da man sich für die ersten Stunden die Waffen in den meisten Trainingsorten (Dojos) kostenfrei leihen kann.

 

Aikido wird bewusst als Kampfkunst bezeichnet. Weshalb ist diese Bezeichnung treffender als der Begriff Kampfsport? Wodurch hebt sich Aikido somit von anderen Sportarten ab?

Modern formuliert ist die Kampfkunst »ganzheitliches Miteinander«, während beim Kampfsport der konkurrierende Wettstreit im Vordergrund steht. Kampfkunst setzt den Fokus auf Vielseitigkeit an Bewegungen, die auch spirituelle Aspekte einschließt, während sich Kampfsport im Allgemeinen auf die für den Wettkampf effektivsten Bewegungen konzentriert. Beim Wettkampf gibt es Regeln, die definieren, was erlaubt ist und was nicht. Es gibt Kampfrichter, die den Wettstreit begleiten und bei Exzessen einschreiten. Gewinnen zu wollen, um den Pokal für die Heimmannschaft zu sichern, ist eine klare Ausrichtung.

In der Kampfkunst, werden zu Studienzwecken auch Bewegungen auf die reine Machbarkeit hin analysiert. So werden zur Flexibilität des Körpers auch Abläufe geübt, die beim Wettkampf aufgrund der Komplexität eher selten zum Einsatz kommen. Zudem gibt es keine technischen Regeln, die unangenehme Angriffe unterbinden; prinzipiell ist alles erlaubt. Dafür sind die Teilnehmer selbst verantwortlich, das Üben harmonisch und verletzungsfrei verlaufen zu lassen. Die Regeln sind mehr im geistigen Überbau zu finden. Der Siegesgedanke spielt nur eine Rolle im Hinblick darauf, ob eine Technik tatsächlich funktioniert hätte, wird aber zur Überwindung des Egos genau nicht (!) zelebriert. Freude erfährt der Übende daraus, wenn eine Partnerübung besonders gelungen ist, gleich, ob er der (scheinbare) Verlierer war oder Gewinner – es haben beide Partner gewonnen, an Erfahrung, und das wird als das höchste Gut angesehen. 

Aikido bedeutet Weg zur Harmonie durch die eigenen geistige Kraft

 

Effektive Verteidigung 

Vorherrschend ist beim Aikido nicht der Kampf, sondern das konzentrierte Einsetzen von Kraft und Bewegung und dies in harmonischem Einklang miteinander. 

Sinn ist nicht das Abblocken eines Angriffes, sondern das Verschmelzen mit der Energie, die dadurch auf einen einwirkt um sie dann ganz gezielt lenken zu können. Aikido kann man sowohl schon in jungen Jahren als auch in höherem Alter erlernen.

Danke Heiko für den interessanten Einblick! Weitere Infos unter www.aikidoakademie.de

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