Ich habe Schmerzen – doch woher kommen sie?

Veröffentlicht am 27 April 2020 von Verena Arnold
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Unser Körper ist ein sehr komplexes Konstrukt, dessen einzelne Bereiche in vielfältiger Art und Weise zusammenhängen. Wenn wir gesund sind, garantiert dies ein reibungsloses Funktionieren und Zusammenspielen unserer Körperteile. Doch liegen an irgendeiner Stelle Schmerzen oder Beschwerden vor, wird uns dieses beeindruckende Netzwerk schnell zum Verhängnis. Es ist nur selten klar, wo genau die Ursache des Problems liegt. Physiotherapeuten kennen die Komplexität des Körpers und finden die Schmerzquelle, auch wenn diese womöglich an einer ganz anderen Stelle liegt. So können sie gezielte Behandlungen anwenden, die schnell zu positiven Ergebnissen führen. 

Marco Renner ist 33 Jahre alt und wohnhaft in Stuttgart. Geboren wurde er in Esslingen am Neckar. Er absolvierte sein FSJ bei den Johannitern im Bereich Rettungsdienst mit Ausbildung zum Rettungssanitäter. Dadurch wurde er auf das Medizin- und Gesundheitswesen aufmerksam und kam darüber auch zur Physiotherapie. Er absolvierte 2011 die Ausbildung zum Physiotherapeuten mit Staatsexamen. Seine Praxis gründete er 2016 mit einem Freund, der ebenfalls Physiotherapeut ist. Mittlerweile haben sie eine angestellte Physiotherapeutin in Vollzeit, einen Fitnesstrainer zur Beaufsichtigung des Trainingsbereiches und eine Empfangsdame in Teilzeit zur Terminvereinbarung und für organisatorische Tätigkeiten. 

Unser Interviewpartner Marco Renner beschäftigt sich mit der Physiotherapie

 

Wie lange beschäftigst du dich schon mit Physiotherapie und warum hast du dich für diesen Beruf entschieden? Was fasziniert dich am meisten daran? Hast du ein Spezialgebiet?

Ich wusste sehr lange nicht, was ich einmal werden möchte, wenn ich „groß“ bin. Daher entschied ich mich für ein freiwilliges soziales Jahr bei den Johannitern. Durch Zufall landete ich hier im Bereich des Rettungsdienstes, wo ich dann auch meine Stelle antrat und eine Ausbildung zum Rettungssanitäter begonnen habe. Im darauffolgenden Jahr merkte ich, dass es mir doch sehr Spaß macht, mit Menschen in einem direkten Kontakt zu stehen und diesen auch nachhaltig helfen zu können. Auch die Medizin als solches faszinierte mich, sodass ich im Anschluss zu meinem FSJ die Ausbildung als Physiotherapeut begonnen habe.
Ein direktes Spezialgebiet habe ich nicht, jeder Physiotherapeut bildet sich zwar in eine bestimmte Richtung fort, jedoch kann man das nicht vergleichen mit einem Arzt, der sich zum Beispiel nur auf ein bestimmtes Gelenk oder Krankheitsbild festlegt und nichts anderes macht. Physiotherapeuten sind in den allermeisten Fällen die „Eierlegenden Wollmilchsäue“ im Medizinwesen. Wir haben Patienten von jung bis alt, mit Beschwerden von Kopf bis Fuß. Oft sind die Diagnosen nicht eindeutig, wie zum Beispiel beim klassischen „Ich hab Rücken“, so dass der Physiotherapeut den ganzen Körper betrachten muss und seine komplexen Zusammenhänge verstehen muss, um das eigentliche Problem herauszufinden und richtig zu behandeln. 

Das ist auch das Faszinierende an diesem Beruf. Der Kontakt mit verschiedensten Menschen, mit den unterschiedlichsten Problemen. Jeder ist anders, jeder reagiert anders auf Behandlungen und bei jedem ist der Schmerz und das Problem individuell und einzigartig. Das macht die Physiotherapie zu einem spannenden, vielfältigen Themengebiet. Langweilig wird es so nie.

 

Welche Dienstleistungen bietest du in deiner Praxis an und bei welchen Beschwerden ist eine physiotherapeutische Behandlung empfehlenswert?

Am Anfang einer jeden Therapie steht die ärztliche Verordnung als solches. Der Arzt entscheidet quasi, welches Heilmittel bei dem jeweiligen Patienten angewandt werden soll. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten. Zum einen gibt es die klassische Massagetherapie, welche aber heutzutage nicht mehr oft verordnet wird. Dann gibt es noch die Krankengymnastik, die Krankengymnastik am Gerät, die Manuelle Therapie, die Manuelle Lymphdrainage bei Schwellungen zum Beispiel nach Operationen und noch Bobath und Voijta Therapie, die vor allem bei neurologischen Patienten Anwendung findet. Neben den ärztlichen Verordnungen bieten wir außerdem in unserem eigenen kleinen Fitnessstudio auch normale Verträge für Sportler an, die dann an unseren Geräten Krafttraining ausüben. Auch Personal Training gehört für uns mit zum Leistungsangebot.
Physiotherapie als Ganzes betrachtet findet in den verschiedensten Formen statt. Bei akuten Schmerzzuständen, nach Operation zur Herstellung des „alten“ Zustandes, aber auch bei Präventivmaßnahmen. Hier zählen insbesondere Kurse eine große Rolle. Manche Kollegen bieten auch im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements Beratungen vor Ort in Firmen an. Hier geht es oft um die Optimierung des Arbeitsplatzes und die Schulung der Mitarbeiter. 

 

Welche Geräte oder Utensilien gehören bei deiner Arbeit zur Grundausstattung? Gibt es etwas, auf das du bei der Krankengymnastik auf keinen Fall verzichten kannst?

Unser wichtigstes Werkzeug sind immer unsere Hände. Damit spüren, testen und manipulieren wir bestimmte Strukturen im Körper. Das zweite wichtige Werkzeug sind unsere Augen. Damit sehen und beurteilen wir bestimmte Bewegungsabläufe und ziehen unsere Schlüsse daraus. Ein weiteres Instrument ist die Fähigkeit, ein gutes Vertrauensverhältnis zum Patienten aufzubauen. Nur wenn das Therapeuten-Patienten-Verhältnis stimmt, kann eine Therapie gelingen.
Natürlich gibt es aber auch weitere Werkzeuge wie zum Beispiel Winkelmesser, Maßbänder und Reflexhämmer, um bestimmte Tests am Anfang der Therapie durchzuführen. 

 

Wie läuft die Krankengymnastik in der Regel ab? Auf was achtest du dabei ganz besonders? Wie werden die Kosten der Krankengymnastik berechnet? Übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Therapie?

Am Anfang einer jeden Therapie steht eine gründliche Untersuchung des Patienten. Die Diagnosen auf den Rezepten sind oft nicht eindeutig, wie beim Lendenwirbelsäulen-Syndrom. Das kann alles sein und besagt nur, dass ein Problem und ein Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule herrscht. Um was es sich genau handelt und wo das Problem liegt, findet der Therapeut mit verschiedenen Tests raus. Dabei kann auch rauskommen, dass das Problem ganz woanders liegt als an besagter Stelle.
Mit den gewonnenen Erkenntnissen kann der Therapeut entscheiden, wie am besten die Therapie aufgebaut wird. Meistens gibt es hier eine Mischung aus passiven Methoden und Übungen, die der Patient aktiv ausführt. Hier liegt auch ein wichtiger Punkt: Die Patienten müssen gezielt angeleitet und animiert werden, Übungen zuhause regelmäßig selbstständig durchzuführen. Nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.
Die Therapie bei Kassenpatienten wird von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. In der Regel bekommt der Patient ein Rezept mit sechs Behandlungen ausgestellt. Am Ende der Terminserie reichen wir das abgeschlossene Rezept bei der Krankenkasse ein und bekommen hierfür unser Geld. Dabei kommt es darauf an, was vom Arzt verordnet wurde. Wir bekommen für die verschiedenen Heilmittel wie Manuelle Therapie oder Krankengymnastik unterschiedliche Beträge erstattet. Dabei spielt es aber keine Rolle, bei welcher Versicherung ein Patient versichert ist. Die Sätze sind inzwischen bundesweit angeglichen worden. Ein Kassenpatient muss pro Rezept lediglich eine Zuzahlung an die Krankenkasse bezahlen, diese wird vom Therapeuten eingezogen. Die Zuzahlung beträgt 10 Euro pauschal, plus 10% vom Gesamtbrutto-Wert eines Rezeptes. Es handelt sich hier in etwa um einen Betrag zwischen 20-30 Euro, die der Patient selber zahlen muss.
Ausnahme bilden privatversicherte Patienten, diese bekommen die Rechnung direkt vom Physiotherapeuten gestellt. Der Privatversicherten-Satz darf das bis zu 2,3fache des Kassensatzes betragen. 

Am Anfang einer jeden Therapie steht die ärztliche Verordnung als solches

 

Arbeit mit den Händen und Augen

Als Physiotherapeut muss man oft mit unklaren Diagnosen arbeiten, die keine genauen Aussagen über Ursachen von Beschwerden treffen. Daher untersucht der Therapeut seinen Patient zunächst ausführlich mit Händen und Augen, um sich ein Bild des Problemes zu machen und die Quelle der Schmerzen zu identifizieren. Gelingt dies, kann er die Behandlung individuell an das Problem anpassen. Dabei ist wichtig, dass der Patient aktiv mitarbeitet und zum Beispiel Übungen für zuhause auch gewissenhaft ausführt. Die verschiedenen Methoden werden unterschiedlich abgerechnet. Für gewöhnlich wird vom Arzt ein Rezept für sechs Behandlungstermine ausgestellt, welche nach der Therapie abgerechnet werden. Die Beträge sind bei allen Versicherungen gleich. Lediglich Privatpatienten bekommen direkt eine Rechnung vom Therapeuten gestellt. 

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