Kampfkunsttraining zur Gewaltprävention

Veröffentlicht am 15 April 2020 von Verena Arnold
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Auf den ersten Blick klingt dies paradox. Kann denn eine Kunst, die die Verbesserung im Kämpfen lehrt, überhaupt gewaltpräventiv sein? Verhindert das Lernen von Kampfkunst die Entstehung von Gewalt? Was dabei wichtig zu beachten ist, ist die Philosophie hinter den asiatischen Kampfkünsten. Taekwondo, Judo, Karate und Co. sind keine reinen Sportarten, bei denen es nur ums Kämpfen geht. Den Schülern werden wichtige Werte vermittelt, die mit der entsprechenden Philosophie hinter der Kampfkunst zusammenhängen. Durch das Erlernen von Respekt, Disziplin und gegenseitiger Rücksichtnahme kann die Kampfkunst durchaus gewaltpräventiv wirken.  

Tae-Won Kang wurde in Jin-Hae, Südkorea geboren und lebt seit seinem 16. Lebensjahr in Deutschland. Er ist verheiratet und Vater von zwei wunderbaren Kindern im Alter von zweieinhalb Jahre und drei Wochen. Er studierte Biologie in Göttingen und promovierte Humangenetik. Derzeit arbeitet er am Universitätsklinikum Tübingen in der Abteilung für Innere Medizin VIII. Taekwondo im Kidojo betreibt er ehrenamtlich in seiner Freizeit. Zunächst fing dies als Sport mit einigen Kollegen und Freunden am Universitätsklinikum Tübingen an und es kamen ständig neue Schülerinnen und Schüler hinzu. 

Seit 2014 sind sie eine Abteilung in Kidojo und bieten seitdem Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenen-Training an. Tae-Won Kang fing mit 16 Jahren mit Taekwondo an unter der Leitung von Gerhard Bach in Han Dok Göttingen, wo er auch Erfahrungen in Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenen-Training sammeln konnte. Seit 2017 führt er seine Ausbildung in Taekwondo mit der Unterstützung von Grossmeister Chang Jae-Hee von U-Chong Taekwondo München fort, unter dem er auch seinen 4. DAN machte.

Im Kidojo werden unter einem Dach verschiedenste Kampfkünste trainiert und jeder Trainer ist ein Experte auf seinem Gebiet. Sie haben das gemeinsame Ziel, Kampfkunst in Verbindung mit Gewaltprävention zu lehren. Sie sind bemüht, Kinder und Jugendliche besonders zu fördern. Hierbei werden sie von der Stadt Tübingen unterstützt, mit der sie auch an gemeinsamen Projekten arbeiten. Dank der finanziellen Förderung der Stadt können bei ihnen alle Kinder und Jugendliche unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ein vielfältiges Trainingsangebot nutzen. Die Trainerschaft im Kidojo ist ehrenamtlich tätig und stellt ihre Zeit und ihr Expertenwissen zur Verfügung, um an den gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Tae-Won Kang ist daher sehr froh, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Unter dem Dach des Vereins „Kidojo Tübingen“ trainieren zurzeit 15 Gruppen/Vereine verschiedenste Kampfkünste. Dass so viele Kampfkünstler unterschiedlichster Stilrichtung mit dem gemeinsamen Ziel zur Gewaltprävention zusammenarbeiten, ist in Deutschland bestimmt selten, wenn nicht einzigartig. Die Abteilung Siljeon Taekwondo, die Tae-Won Kang leitet, besteht aus Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenen-Training. Seine Frau Stephanie leitet dabei das Kindertraining, während seine Stellvertreter Aurofree Höhn und Lina Thoma ihn beim Jugendlichen- und Erwachsenen-Training unterstützen.

Unser Interviewpartner Tae-Won Kang ist Taekwondo Trainer

 

Wie und in welchem Alter bist du zu der Kampfkunst Taekwondo gekommen und warum gerade Taekwondo?

Ich hatte in der Grundschule in der 4. Klasse mit Karate begonnen und später mit 16 Jahren auf Taekwondo gewechselt. Mein Vater schickte mich zum Kampfsport, damit ich lerne, mich selbst zu behaupten. Ich war als Kind sehr unsportlich und körperlich schwach in Vergleich zu anderen Kindern meiner Altersklasse.
Taekwondo ist Nationalsport in Korea und mir gefielen die dynamischen Tritte, aber auch die Vielfalt an Arm und Beintechniken. Es gibt zwei große Verbände in Taekwondo – die World Taekwondo (WT) und die International Taekwondo Federation (ITF). Ich bin in der WT Verband, unter deren Dach auch die Olympische Spiele stattfindet.

 

Was macht für dich den Reiz am Taekwondo aus, was ist der Unterschied zu anderen Kampfsportarten wie Boxen, Karate oder Judo? Was ist die Philosophie von Taekwondo?

Taekwondo ist sehr vielseitig. Es vereint sowohl traditionelle Kampfkunst als auch moderne Wettkampfsport. Der Unterschied zu den anderen Kampfsportarten ist der dynamische Einsatz und die Vielfalt der Beintechniken. Bei Taekwondo geht es darum, immerwährend an sich selbst zu arbeiten und besser zu werden. Dieser Weg ist auch zugleich das, was ein Taekwondoin (auf koreanisch Taekwondo-Trainierende) ausmacht. Neben der eigenen Weiterentwicklung lernen Taekwondoin auch, sich anderen gegenüber höflich und respektvoll zu verhalten. Eine Partnerübung im Rahmen von Taekwondo funktioniert nur unter Vertrauen und Respekt zueinander.

 

Wo liegen deine persönlichen Stärken? Hast du eine spezielle Technik, die du als deine Spezialität bezeichnen würdest?

Mein Schwerpunkte in Taekwondo liegen auf der praktischen Umsetzung der Taekwondo Techniken. „Siljeon“ bedeutet auf koreanisch „praktisch anwenden“ und ist zugleich auch der Name unserer Taekwondo Abteilung. Ich versuche die traditionelle Kampfkunst mit der modernen Selbstverteidigung zu verbinden. Die Techniken sollten effektiv angewendet werden können. Die Abwehr soll mit Kontertechniken so kombiniert werden, um den Nachteil, dass man bei einer Selbstverteidigung nur reagieren kann, auszugleichen. Auch körperliche Unterlegenheit kann durch vertiefte Kenntnisse der Technikausführung ausgeglichen werden.

 

Welches Alter eignet sich am besten für den Einstieg und gibt es Kampfstile, die für ältere Menschen besonders geeignet sind? Welche Tipps würdest du Interessenten geben, die neu mit einer Kampfkunst beginnen wollen? Braucht man spezielle Vorkenntnisse oder Voraussetzungen, um am Taekwondotraining teilzunehmen?

Taekwondo kann man theoretisch in jedem Alter beginnen. Mein Sohn geht mit mir zum Training, seit er geboren wurde und mit anderthalb Jahren hat er angefangen, meine Bewegungen nachzuahmen. Es gibt verschiedene Ansätze in den Taekwondo Schulen und Vereinen, wo die Trainer sich auf verschiedene Altersklassen spezialisiert haben. Wir bieten Training ab sieben Jahren an, wo die Kinder die Bewegungen bewusster ausführen können und wir daher intensiver an Taekwondotechniken arbeiten können. Kinder unter sechs Jahren brauchen eher Training, wo die Schwerpunkte in spielerische Bewegungslehre liegen sollten. Für ältere Menschen kann man den Schwerpunkt in traditionellen Techniken und Formen – festgelegte Abfolge von Techniken, die in ihrer Kombinationen sinnvoll zusammengesetzt wurde – legen. Durch das Erlernen und Üben der Techniken wird der Körper ganzheitlich trainiert, was die Gesundheit im Alter fördert.
Mein Tipp an den Interessenten für Kampfkunst wäre es, dass man sich in der Gruppe wohlfühlen sollte, egal welche Kampfkunst man betreibt. Man sollte einfach mal ausprobieren und danach entscheiden, ob es einem gefällt oder nicht. Spezielle Vorkenntnisse oder Voraussetzungen braucht man in Taekwondo dabei nicht.  

Taekwondo ist sehr vielseitig

 

Traditionelle Kampfkunst und moderne Selbstverteidigung

Der Fokus beim Training von Tae-Won Kang liegt auf der praktischen Anwendung. Er versucht seinen Taekwondoin effektiv beizubringen, wie Abwehrtechniken mit Konter kombiniert werden können. Durch das Wissen um die technische Ausführung kann sogar körperliche Unterlegenheit ausgeglichen werden. Beim Kidojo Tübingen bietet er Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenentraining an. Kinder können ab sieben Jahren mit dem Training beginnen und nach oben gibt es keine Grenze. Auch im Alter kann man vom ganzheitlichen Körpertraining profitieren. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man sich in der Gruppe wohlfühlen sollte, um effektiv und mit Spaß trainieren zu können. Bestimmte Vorkenntnisse braucht man dabei nicht. 

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