Lektoren müssen Menschen verstehen

Veröffentlicht am 11 November 2019 von Verena Arnold
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Karl-Heinz Smuda, 58 Jahre alt, aus Eschweiler bei Aachen, heute in Berlin wohnhaft, kam mit 15 Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit dem Journalismus. Damals bekam er die Möglichkeit, beim WDR-/NDR-Kinderfunk und bei einer Lokalzeitung als Reporter anzuheuern. Es war deshalb klar, dass er unbedingt Journalist werden wollte.

Nach dem Abitur ging er nach Rom zu Radio Vatikan. Daraufhin folgten das Studium, die Arbeit für verschiedene Abteilungen beim Westdeutschen Rundfunk und bei der Deutschen Welle. Mit dem Schreiben für Zeitungen und Zeitschriften ging es ebenfalls aufwärts. Schließlich wurde er Hörfunk-Korrespondent des Deutschlandfunks und reiste zwischen Australien und den USA, zwischen Afrika und Asien in der Welt umher. 28 Jahre lang übte Karl-Heinz Smuda diesen Beruf aus. Dann kam der Punkt, an dem er sich dazu entschied, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen.

Er wollte Autor und Lektor werden. Hierfür fuchste er sich, wie er erzählt, in sämtliche Regelwerke der Rechtschreibung ein. Ihm wurde schnell klar, dass man als Lektor an die Texte mit hoher Aufmerksamkeit und gesundem Menschenverstand herangehen sollte. An diese Devise hält sich der 58-Jährige noch heute.

Unser Interviewpartner Karl-Heinz Smuda ist Lektor

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag tatsächlich aus? Was macht ein Lektor eigentlich und gibt es einen Ausbildungsberuf, den man ergreifen muss, oder einen Studiengang, der zwingend nötig ist, um als Lektor zu arbeiten?

Zunächst einmal braucht jeder Lektor Beharrlichkeit. Das gilt selbst dann, wenn ein Text ermüdend spröde ist. Das Alter spielt wegen der Lebenserfahrung bestimmt eine ebenso wichtige Rolle. Zudem ist es gut, viele Menschen kennengelernt zu haben.

In meiner Zeit bei einem Radiosender habe ich Tag für Tag Beiträge erstellt und hierfür viele Menschen interviewt. In 12 000 Beiträgen kamen stets mindestens drei Personen für die O-Töne zu Wort. Ich habe Reportagen in Krematorien, Behindertenheimen, in Auffanglagern und an ganz unspektakulären Orten erstellt. Diese Gesprächspartner kamen aus verschiedenen Kulturen. Ein Lektor, der Berührungsängste mit Fremden hat, wird sich nicht auf die Autorinnen und Autoren einlassen können. Deshalb ist es wichtig, dass man sich schon mit vielen Menschen auseinandergesetzt hat.

Hinzu kommt die Anforderung, eine gute bis sehr gute Allgemeinbildung zu haben, um Fehler zu entdecken und sie zu korrigieren. Ohne ein ausgeprägtes Sprachgefühl geht nichts. Wer lektoriert, muss viele Bücher gelesen und erfasst haben. Letzteres mache ich noch immer neben meiner Arbeit als Lektor – und zwar mit großer Leidenschaft. Darüber hinaus muss ein Lektor aufgeschlossen sein. Die Grenzen setzt man dabei nur da an, wo auf der Menschenwürde herumgetrampelt wird oder schlimme Ideologien salonfähig gemacht werden.

Ich selbst wage mich nicht an Werke, die in einer Jugendsprache verfasst wurden. Ist es nicht peinlich, wenn ein Älterer versucht, wie ein Junger zu sprechen? Das kann ich nicht. Da fühle ich mich als Lektor nicht sattelfest. Kommen Jugendliche in einem Roman zu Wort, dann frage ich die jugendlichen Töchter und Söhne meiner Freunde, ob man heutzutage in diesem Alter denn wirklich so spricht. Man muss also recherchieren. Die Lust an der Recherche gehört zu meiner Arbeit.

 

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen einem Autor und einem Lektor vorstellen? Wie viele Projekte betreuen Sie im Jahr?

Autorinnen und Autoren suchen nach einem Lektor, dem sie vertrauen können, der ihre Arbeit würdigt. Sie schreiben mich an, beschreiben ihre Arbeit, schicken kurze Leseproben. Wir sprechen darüber. Sind wir uns einig, dann kommt es zum Auftrag. Ich arbeite nie parallel an mehreren Werken. Die Arbeit ist erst nach Wochen abgeschlossen. Das bestimmt den Preis.

 

Was gehört zu Ihrer Grundausstattung für die Arbeit? Gibt es ein bestimmtes Element, das nie fehlen darf?

Zur Grundausstattung gehören der Computer, ein Arbeitsplatz, an dem ich mich sehr wohl fühle, das richtige Licht, die Stille. Im Rechner befinden sich eine Reihe von Nachschlagewerken für die Rechtschreibung, doch auch für die Wörterherkunft und für die Bedeutungen einzelner Begriffe. Ein Lektor muss die Fähigkeit aufweisen, zu bemerken, wenn etwas nicht logisch ist oder sprachlich nicht stimmen kann. Aufmerksamkeit und Zweifel verbinden sich mit der technischen Arbeit am Computer.

Ganz schlecht kann ich am Laptop arbeiten. Vor ein paar Wochen beobachtete ich einen Lektor an zwei verschiedenen Tagen, der mit einem Glas Bier, einem winzigen Laptop und vielen Menschen in einer Berliner Nachbarschaftskneipe drumherum Manuskripte korrigierte. Das könnte ich nicht. Vielleicht kann er nur in diesem Ambiente gut arbeiten. Ich aber nicht, ich suche den Kontakt zu ihm deshalb nicht. Da bin ich ausnahmsweise ganz dogmatisch. Das scheint mir nicht seriös zu sein.

 

Schreiben Sie selbst auch? Welche Tipps würden Sie einem Autor geben, der ein Manuskript an einen Verlag schicken möchte?

In Absprache mit den Autorinnen und Autoren schreibe ich teilweise Übergänge neu, das heißt, ich formuliere – ohne Abweichung vom Stil – Sätze neu. Die Arbeit würde sich sonst ewig in die Länge ziehen, wenn ich die Auftraggeber wegen jeden Satzes um Korrekturen bitten müsste. Die Schreibenden können oftmals nicht sofort reagieren, weshalb es einfacher ist, direkt selbst reinzuschreiben. Natürlich hole ich mir das Einverständnis ab und korrigiere mich nach den Wünschen der Autorinnen und Autoren selbst, damit alles passt. 

Und ja, ich habe selbst eine Reihe von Büchern als Ghostwriter geschrieben, irgendwo in Wien oder in Zürich, in den Bergen und an Seen. Wenn ich solche Aufträge übernehme, bin ich oftmals viele Wochen lang nicht in Berlin.

Karl-Heinz Smuda ist zusätzlich noch als Ghostwriter tätig

 

Nach und nach immer mehr Aufträge
Am Anfang lief das Geschäft von Karl-Heinz Smuda, wie er erzählt, etwas harzig. Er wusste schlichtweg nicht, wie er potenzielle Kunden erreichen konnte. Zu jener Zeit steckte das Internet ja noch in den Kinderschuhen. Irgendwann bekam er dann aber den Auftrag, für 100 Mark ein Kinderbuch zu redigieren – ein Buch, das er bis heute noch in Erinnerung behalten hat, weil es so schön geschrieben war. Nach diesem Auftrag bekam er nach und nach immer mehr Aufträge, sodass er bald davon leben konnte. So gelang dem 58-Jährigen die berufliche Neuorientierung. Heute arbeitet er als Lektor und Ghostwriter weiterhin im Ausland. An der Leidenschaft für die Welt hat sich nicht viel geändert, wenn Papier und Computer dabei sind.

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