Schwimmunterricht für Groß und Klein

Veröffentlicht am 30 Oktober 2019 von Verena Arnold
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Vike Schult bietet Schwimmunterricht für Kinder und Erwachsene in der Aquarena in Dillenburg an.  Die 57-jährige erlernte im Alter von fünf Jahren in demselben Bad einst das Schwimmen und nahm in ihrer Jugend an Wettkämpfen teil. Heute richtet sich  ihr Angebot an Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene. 

Von ihrem 6. bis zum 13. Lebensjahr betrieb Vike Schult den Schwimmsport zunächst beim TV Dillenburg und später, wegen besserer Möglichkeiten beim Neptun Siegerland. In der Disziplin Freistil war sie zeitweise Jahrgangsbeste über  200 Meter und über 800 Meter. Im Alter von 12 Jahren wurde sie in die Jugendnationalmannschaft (C-Kader) berufen und startete auch bei internationalen Wettkämpfen bis 1975. 

Studiert hat Frau Schult die Fächer Sport (mit Schwerpunkt Schwimmen und Ski) sowie Musik  auf Lehramt für Gymnasien. Ihrem Beruf als Lehrerin ging sie bis zum Jahre 2004 nach. Nachdem sie viele Jahre  bei der DLRG arbeitete, erwarb sie schließlich den Lehrschein, welcher es ihr auch ermöglichte, als Bademeisterin in einem der umliegenden Freibäder tätig zu sein. Sie arbeitete acht Jahre bei einer renommierten Schwimmschule als Übungsleiterin, bis sie sich mit ihren Schwimmkursen  selbstständig machte.    

Unsere Interviewpartnerin Vike Schult ist Schwimmlehrerin

 
Sie verbringen Ihren Arbeitstag im Wasser. Das muss ein guter Arbeitsort sein. Wie haben Sie sich dafür entschieden?


1992 erkrankte ich an Multipler Sklerose. Da ich eine gutartige Form der Krankheit habe, war ich zwischen den Krankheitsschüben immer wieder fit. Ich fiel aber 3-4 Mal im Jahr für ca. 4 Wochen in der Schule aus. Nach mehrfacher Stundenreduzierung musste ich irgendwann einsehen, dass ich für die Schule immer mehr zu einer Belastung wurde und auch die Kinder immer wieder enttäuschen musste. Also trat ich im Februar 2004 in den
krankheitsbedingten Frühruhestand. Da die Schule mein Leben war, ist mir das während der ersten Jahre nicht leicht gefallen. Ich hielt weiter Kontakt zur Schule und gab Gitarrenunterricht in der Nachmittagsbetreuung. Im Jahr 2008 erhielt ich nach einer Eskalation meiner MS ein neues – nicht zugelassenes – Medikament. Der Erfolg war unglaublich! Seit dieser Zeit bin ich weitgehend schubfrei und man sieht mir bis heute meine Erkrankung nicht an! Ich bewarb mich nach einer Annonce bei einer Schwimmschule, für die ich bis 2013 Kurse im Kinderschwimmen, Babyschwimmen (dafür machte ich noch eine Zusatzausbildung) und Kleinkinderschwimmen gab. Zusätzlich gab ich privat schon Kurse für erwachsene Nichtschwimmer, die sehr gut angenommen wurden, da ich damals tatsächlich keine Konkurrenz im Umfeld von 100 km hatte. Da der Sitz der Schwimmschule damals ca. 40 km von meinem Unterrichtsort Dillenburg entfernt lag, war es immer sehr schwierig für mich mal eine Vertretung zu finden. Das hatte zur Folge, dass ich oft auch mit einer dicken Erkältung unterrichten musste, da die nächste Kursreihe schon mit Datum feststand. Die Kurse wurden immer mehr und damit meine Belastung immer höher. Jahrelang versuchte der Leiter der Schwimmschule eine zweite Kraft für Dillenburg zu finden, was aber nie wirklich gelang. Daher hörte ich schweren Herzens auf und die Schwimmschule schickte einen anderen Übungsleiter nach Dillenburg bis die Kurse dann im Sommer 2014 ganz aus Dillenburg abgezogen wurden. Mein ehemaliger „Chef“ fragte mich, ob ich bereit wäre nach meinen eigenen Vorstellungen die Kinder, die einen Folgekurs suchten noch weiter zu führen. Das machte ich sehr gerne! Jetzt merkte ich, dass ich mir alles  so organisieren konnte wie ich es wollte. Ich konnte mir genügend Reserven am Ende der Kurse lassen. Ich konnte die Gruppengröße nach meinen Vorstellungen verkleinern. Es gab nicht immer wieder organisatorische Probleme, denn ich war mein eigener Chef und somit für die Organisation und den Kontakt mit den Eltern selbst verantwortlich. Da ich immer noch eine totale Wasserratte bin, macht es mir nichts aus 3 Stunden am Stück im Wasser zu verbringen. So war plötzlich meine eigene Schwimmschule entstanden. Werbung brauchte ich erstmal nicht zu machen, da mich im Bad jeder kannte und ich schon allein durch die „Mund – zu – Mund“ Propaganda genügend Schüler hatte. Ich liebe Kinder! Ich bin kein ernster Mensch und mache mit den Kindern auch viel Blödsinn. Wichtig ist es auch die Ängste der Kinder ernst zu nehmen! Ich verwende einige Spielmaterialien. Ich bin schon älter und habe bei den Kindern sowas wie einen „Oma-Status“. All das führt – denke ich – zu einer hohen Beliebtheit.
 


Welche Grundfertigkeiten muss ein Kind beherrschen, um richtig Schwimmen zu können? Wie viele Kurse brauchen die Kinder dafür?

Um richtig Schwimmen zu können muss ein Kind lernen, mit dem Element Wasser zu spielen. Das Kind sollte in allen Situationen im Wasser zurecht kommen. Dazu gehören Fähigkeiten wie: Tauchen, Schweben, Gleiten, Springen, und Techniken zur Fortbewegung im Wasser. Ein Kind, das gerne taucht, lernt auch schnell Schwimmen. Das Tauchen beim Schwimmen führt zu einer perfekten Wasserlage. Ganz wichtig finde ich, dass Kinder lernen, sich aus einer Notsituation im Wasser schnell zu befreien. Dazu gehört es, dass die Kinder auch Wasser  in den Augen tolerieren lernen, also unter Wasser die Augen öffnen können. Nur so ist es möglich, dass sie schnell zum Rand tauchen können wenn sie mal ins Wasser fallen. Ebenso wichtig finde ich eine einfache Form des Rückenschwimmens (Kraulbeinschlag und kleine Ruderbewegungen der Unterarme und Hände). Auf dem Rücken liegend kann man sich immer mit Atemluft versorgen und benötigt für die Fortbewegung viel weniger Energie als in Bauchlage. Da ich Kinder schon ab einem Alter von 4 Jahren in meine Schwimmkurse aufnehme, fixiere ich mich nicht – wie die meisten anderen Schwimmkursleiter – auf das Brustschwimmen. Die Brustschwimmbewegung ist motorisch meist erst ab einem Alter von 5 – 6 Jahren für die Kinder umsetzbar. Daher biete ich in meinen Kursen viele unterschiedliche Techniken der Fortbewegung (Hundepaddeln, Ruderbewegung, Kraulbeinschlag, Brustarmzug und -beinschlag) an. Wichtig ist mir die sichere Schwimmfähigkeit der Kinder und nicht das Erlernen einer bestimmten Technik! Normalerweise benötigen Kinder 2 Kurse, um sichere Schwimmer zu werden. Es gibt aber auch Kinder, die aufgrund großer Ängste vor dem Tauchen bis zu 5 Kurse brauchen. Auch das finde ich nicht schlimm. Ich würde niemals ein
Kind zum Tauchen zwingen. Damit macht man jegliches Vertrauen kaputt. Ich berate die Eltern dahingehend, dass sie ihrem Kind zum Schwimmenlernen die Zeit geben sollen, die es braucht. Ich hatte schon einige Kinder, die sehr lange gebraucht haben und heute zur Elitetruppe des ortsansässigen Schwimmvereins gehören. Darüber freue ich mich dann ganz besonders!
  

Welche Hilfsmittel und Spielmaterialien verwenden Sie im Pool?

Für die schwimmerische Fortbewegung nutze ich während der ersten beiden Stunden Schwimmnoodles. Danach nutze ich als Schwimmhilfe die seit einigen Jahren verfügbaren „Swim-Fins“. Die sehen aus wie Haifischflossen und werden am Rücken der Kinder mit Klettverschlüssen befestigt. Das geht im Unterricht sehr schnell und die Kinder lieben die Haiflossen. Zum Tauchen verwende ich Schüsseln zum übergießen, Tauchringe, Schwimmbrillen und einen großen Reifen zum Durchtauchen.  Für die Korrekte Ausführung des Kraulbeinschlags und zum Erlernen des Rückenschwimmens verwende ich gerne Schwimmflossen, die ich in Ausreichender Menge in verschiedenen Größen zur Verfügung habe. Zur Wassergewöhnung und zum Spaß verwende ich vier  Schwimmpondons, die man zu einer „Brücke“ zusammenbauen kann und über die die Kinder balancieren und mit etwas Übung auch rennen- oder Purzelbäume schlagen können. Man kann auch gut Gegenstände unter den Matten verstecken, die dann von den Kindern ertaucht werden müssen. Das geht nur, wenn die Kinder „Blubberblasen“ aus der Nase machen können. Auch das Streckentauchen kann mit den Matten geübt werden. Zudem verfüge ich noch über eine kleine Rutsche, die ich zusammen mit der Mattenstraße dankenswerterweise im Bad deponieren konnte.


Wie sieht der Schwimmunterricht für Erwachsene aus?

Bei den Erwachsenen gehe ich sehr  behutsam vor. Es gibt eine Vorbesprechung, bei der jeder Teilnehmer über seine Probleme mit dem Element Wasser sprechen kann, und in der ich auch die Gelegenheit habe auf gesundheitliche Probleme und Aspekte einzugehen. Zudem erhält jeder Teilnehmer ein Skript mit allen Übungen und Bildern der Übungen, die im Laufe des Kurses gemacht werden. In der ersten Stunde beginne ich gleich mit dem Tauchen. Festhalten am Beckenrand:  Luft anhalten und Gesicht ins Wasser; Ausatmen unter Wasser durch Mund und Nase; Abtauchen des ganzen Kopfes; Gesicht ins Wasser und  Beine hochschweben lassen. Schwimmerisch beginne ich mit dem Rückenschwimmen. Parallel dazu vermittle ich in sehr kleinen Schritten die korrekte Technik des Brustschwimmens mit Ausatmung ins Wasser (Tauchphase). Bei Erwachsenen läuft viel über den Kopf. Daher unterrichte ich sie während des Unterrichts auch über physikalische Hintergründe (statischer und dynamischer Auftrieb; Warum gehen bei den Männern immer die Beine unter? – also geschlechtsspezifische Unterschiede; Wie kann ich die Atemluft in meiner Lunge als Auftriebsmittel nutzen? etc.). Wichtig finde ich auch, den Erwachsenen (meist schon älteren Menschen) einen gelenkschonenden und orthopädisch unbedenklichen Schwimmstil zu vermitteln. Viele haben Probleme mit dem Rücken, oder auch schon einen Gelenkersatz, sowie Unbeweglichkeiten im Fußgelenk und im Schultergelenk. All dies muss ich bei der Vermittlung einer „persönlich unbedenklichen“ Schwimmtechnik mit einbeziehen. Mein ältester Schüler war immerhin schon 85 Jahre alt.

Das Kind sollte in allen Situationen im Wasser zurecht kommen


Spaß im Umgang mit dem Wasser 

Vike Schult hat nicht nur langjährige Erfahrung mit dem Schwimmen, sondern auch im Unterrichten gesammelt. Die Kombination dieser beiden Fähigkeiten ermöglicht es ihr, genau auf die Bedürfnisse der Kinder und Erwachsenen einzugehen und diese näher an ihre Ziele heranzuführen. Der Spaß am Umgang mit dem Element Wasser darf bei Groß und Klein natürlich nicht zu kurz kommen. Eine ideale Grundlage hierfür bietet auch die großzügige Schwimmhalle, welche über ein 6-bahniges 50 Meter langes Becken, ein großes Lehrschwimmbecken, ein Bewegungsbecken, ein Dampfbad sowie eine Rutsche verfügt. 

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