Selbstverteidigung in Perfektion

Veröffentlicht am 25 September 2019 von Verena Arnold
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Davon spricht man beim Krav Maga, ein System, welches nicht für sportliche Zwecke entwickelt wurde, sondern ausschließlich für echte Kampfsituationen. Entstanden ist Krav Maga während des zweiten Weltkrieges in der Tschechoslowakei, wo Imrich Lichtenfeld, ein Spitzenathlet in verschiedenen Kampfsportarten, besonders in Ringen und Boxen, feststellen musste, dass  viele Techniken für einen echten Kampf nicht hilfreich waren.. So entwickelte er aus der Not heraus ein eigenes, sehr effektives System. Als er später, nach der offiziellen Gründung von Israel im Jahre 1948, Chefausbilder für Leibeserziehung wurde, wurde sein System offiziell als Krav Maga, anerkannt. Dieses hat sich laufend weiter entwickelt.

Wir haben darüber mit Maurizio Ferri aus Duisburg gesprochen. Vor 45 Jahren dort geboren, hat er sich schon früh für die realistische Selbstverteidigung interessiert, hat in viele Kampfsportarten reingeschnuppert und ist ,neben dem Krav Maga, erstmal ca. 25 Jahre beim Ju-Jutsu hängen geblieben, wo er den 4. Dan erreichte. Über die Krav Maga Europe ist er als Krav Maga Expert 4 zertifiziert und Irish Stick Instruktor Level 1 im Doyle Style über ISF Worldwide. 

Neben seiner Arbeit in der Petrochemie investiert er viel Zeit in sein Hobby, da es ihm ein Anliegen ist, Menschen darin zu unterrichten, Gefahren zu erkennen, richtig einzuschätzen und sich im Notfall effektiv zu verteidigen. Die Arbeit erfolgt im Team und um sich den Blick über den Tellerrand zu bewahren und den Erfahrungsaustausch mit anderen gleichgesinnten Leuten zu pflegen, Techniken zu verändern und anzupassen, werden immer wieder Trainer und Referenten aus anderen Stilrichtungen, Systemen dazu geholt.

Unsere Interviewpartner Maurizio Ferri Krav Maga Experte und Trainer

 

Maurizio, Krav Maga ist kein Wettkampfsport. Was hat euch dazu bewogen, diese Kampfart zu erlernen? Ist das auch der Grund weshalb eure Kunden sich dazu entscheiden?

 

Krav Maga entstammt dem israelischen und heißt Kontakt Kampf. Es ist nicht als Sport konzipiert, sondern reine Selbstverteidigung. Krav Maga verinnerlicht in unseren Augen, wie kein anderes System, taktische Elemente mit konsequenter Selbstverteidigung. 

Körperliche Einschränkungen bei der Adrenalinausschüttung werden hier genauso thematisiert, wie das Erkennen von möglichen Gefahren. Krav Maga will nicht schön sein in den Bewegungen, Krav Maga ist effektiv. Krav Maga ist ein offenes System, das heißt in diesem Zusammenhang, dass nur Techniken, die unter Hochstress funktionieren, weiterentwickelt werden.

Viele Kampfsportarten wie MMA, Thai Boxen oder Ringen sind auch in einer körperlichen Auseinandersetzung hilfreich, aber da es sich hier letztendlich um Sport handelt, sind taktische Verhaltensweisen im Hinblick auf einen möglichen Waffeneinsatz, mehrere Gegner oder „unfaire“ Mittel etc. nicht so ausgeprägt.

Auch diverse Kampfkünste haben einen Selbstverteidigungscharakter z.B. Tai Chi, der leider oftmals in Vergessenheit gerät und nicht an die reale Welt angepasst worden ist. So hat eine Kata aus dem Karate, das heißt, der stilisierte Kampf gegen einen imaginären Gegner, durchaus seine Berechtigung um Gleichgewicht, Ausdruck, Präzision, Technik,  etc. zu schulen, allerdings nicht als Mittel der Selbstverteidigung. 

In der realen Selbstverteidigung agieren wir gegen reale Gegner, die leider nicht immer wie von uns antizipiert reagieren.  Viele unserer Schüler (Kravisten) praktizieren Krav Maga, weil sie schlechte Erfahrungen in einer realen Situation gemacht haben oder beruflich Gewalt ausgesetzt sind. Hier sind vorwiegend Leute aus der Sicherheitsbranche aber leider auch Rettungskräfte und Pflegepersonal zu nennen. Bei den Frauen überwiegt der Teil, die Ihre Sicherheit nicht ausschließlich von einem Pfefferspray abhängig machen wollen.   

 

 

Werden die Teilnehmer nur im Kampf ausgebildet oder gehört auch Theorie dazu?

 

Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und beginnen weit vor dem eigentlichen Angriff. Wir unterscheiden drei Phasen: Präkonfliktäre Phase, Konfliktphase und die postkonfliktäre Phase.

In der Präkonfliktären Phase ist die Gefahrenerkennung essentiell. Hier schulen wir anhand von Videoanalysen und zeigen visuell, wie sich gefährliche Situationen aufbauen und wie wir durch taktisches Verhalten, die Situation positiv für uns beeinflussen. Taktisches Verhalten ist nach dem „Mindset“, dem Kampfeswillen, die wichtigste Komponente bei den Selbstschutzprinzipien.

In dem Praktischen Teil werden Techniken im Stresstraining, sowie mit diversen Drills intensiviert. Die oberste Maxime in der Selbstverteidigung / Selbstschutz muss sein, dass die geübten Techniken bzw. Konzepte in Hochstressphasen funktionieren. 

Wir führen alle Techniken auch im Sparring und unter physischen und psychischen Stress durch, um eine entsprechende Sicherheit zu gewinnen. Wir beleuchten in diesem Zusammenhang auch, wie es zur Ausschüttung von Adrenalin kommt, sowie der Einfluss der Herzfrequenz und die daraus resultierenden Einschränkungen. Hierbei legen wir Wert darauf, andere Stile nicht zu diskreditieren, sondern begründen und zeigen auch praktisch, warum wir Einschränkungen in Abhängigkeit mit unserer Pulsfrequenz hinnehmen müssen. So sind z.B Verteidigungstechniken, welche darauf basieren, dass wir als Verteidiger im Besitz unserer Feinmotorik sein müssen, (z.B. Hebel) in einem realistischen Szenario nur sehr schwer anwendbar.  

Die richtige mentale Einstellung und die entsprechende Taktik sind elementare Bestandteile der Verteidigungsstrategie. Diese üben wir in Trainingsszenarien unter realitätsnahen Bedingungen. Der Einfluss von Witterung, Dunkelheit und die Erfahrung, wie unser Körper in diesen Stressmomenten reagiert, machen dieses Training sehr effektiv. Je vielfältiger die Konditionierung für diverse Situationen, desto sicherer werden wir das Gelernte in einer realen Situation abrufen können. Unser Gehirn hat die Fähigkeit zu antizipieren, was sehr hilfreich ist, aber die Reaktion des Angreifers in Szenarien Trainings ist teilweise anders als von uns vorhergesagt, so dass wir schnell umdenken müssen. Lieber im Training überrascht werden, als in der Realität.

 Als Teil des Polizei Sportverein Duisburg möchten wir auch für einige wichtige postkonfliktäre Themen sensibilisieren. Hierbei werden einfache, aber wichtige Verhaltensweisen, wie das Absetzen eines Notrufs diskutiert aber auch die rechtliche Lage nach dem Konflikt. Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen und das Gesetz gibt uns den Rahmen hierfür vor. Wir halten es für unabdingbar die gesetzlichen Rahmenbestimmungen zu kennen. Der Themenkomplex Notwehr, -hilfe und Notwehrexzess stehen hier im Vordergrund.

 

 Welche Verteidigungsgegenstände führt man meistens mit sich und sind daher am nützlichsten?

 

Wir sind der Meinung, dass die persönliche Sicherheit nicht an Gegenstände gekoppelt werden sollte. Sowohl Pfefferspray, also auch andere Verteidigungsgegenstände erfordern einen direkten Zugriff und ein entsprechendes Training. Auch sollte man bedenken, dass Waffen z.B. Messer etc. die Konfrontation bewusst verschärfen und diese gegen einen selbst gerichtet werden können. Das wichtigste Verteidigungsobjekt ist der menschliche Verstand. Gefahrenschulung und Deeskalation sind hier in erster Linie zu nennen. Sollte eine körperliche Intervention nicht zu vermeiden sein, so legen wir Wert auf unsere Zielsetzung: der Situation schnellst möglichst zu entkommen. 

 

Das deutsche Recht unterscheidet Waffen laut § 1 Waffengesetz (WaffG) wie folgt:

  1. Schusswaffen oder ihnen gleichgestellte Gegenstände und
  2. tragbare Gegenstände,
  3. a) die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, insbesondere Hieb- und Stoßwaffen;
  4. b) die, ohne dazu bestimmt zu sein, insbesondere wegen ihrer Beschaffenheit, Handhabung oder Wirkungsweise geeignet sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, und die in diesem Gesetz genannt sind.

Das Wissen, welche Alltagsobjekte als sogenannte improvisierten Waffen genutzt werden können ist elementar und das Auge muss hier immer wieder entsprechend geschult werden, diese Waffe zu erkennen und einzusetzen. So sind beispielsweise Schirm, Barhocker, Ziegelstein, Schraubenzieher keine Waffen im Sinne des Waffengesetzes, können allerdings als solche eingesetzt werden.

Persönliche Sicherheit sollte nicht an Gegenstände gekoppelt sein

 

Wie hoch sind die Ausbildungskosten, kommen noch andere Zahlungen hinzu, z.B. Trainingsausstattung, usw.?

 Wir betreiben Krav Maga im Verein, so dass bei uns reguläre Vereinsgebühren erhoben werden. Persönliche Trainingsausstattung wie Handschuhe, Tief- und Mundschutz besorgen sich die Teilnehmer selbst. Neben den regulären Trainingseinheiten geben wir Lehrgänge von 3-4 Stunden oder Crash Kurs Reihen zu bestimmten Themen (Frauen Selbstverteidigung, Multiple Gegner, Messer etc.) die separat bezahlt werden.

Nicht jede Gefahr kann umgangen werden

Es ist leider eine Tatsache, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen man einer Gefahr nicht ausweichen kann. Daher ist es wirklich empfehlenswert, sich Basisfertigkeiten in Selbstverteidigung anzueignen. Umfassend ist dies aber nicht in Tagesseminaren möglich. Dort kann man lediglich lernen, was möglich ist. Aber um in einer entsprechenden Situation wirklich passend reagieren zu können, braucht es auch Routine, wie wir gewalttätige Konfrontationen managen. Diese Fähigkeit kann nur ein einem wiederholten Training erworben werden. 

Wir danken Maurizio Ferri für dieses Gespräch und den Einblick in die Welt des Krav Maga.

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