Sich schützen um jeden Preis

Veröffentlicht am 3 Juli 2019 von Verena Arnold
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Daniel Scherer, 34 Jahre alt und aus dem Ruhrgebiet stammend, wollte studieren. Also zog er nach dem Abitur aus seinem Heimatort weg und meldete sich für das Studium an. Zuerst studierte er Geschichte und Soziologie, brach das Studium aber kurz vor dem Bachelor ab, um Philosophie zu studieren. Es reizte ihn, die Grundlage aller Wissenschaften zu studieren. Aber da sein Studium auf reinen Wissenserwerb ausgerichtet war und er seinen anfänglichen Wunsch, Lehrer zu werden, nicht mehr hegte, legte er auch dieses Studium relativ schnell ad acta.

Er wandte sich dem Psychologie-Studium zu. Weil er aber auch überleben musste und bald eine Familie zu ernähren hatte, arbeitete er nebenbei unter anderem als Lehrassistent, Tutor, in der Gastronomie und so weiter. Daneben interessierte er sich für das moderne Nahkampfsystem Krav Maga. Nach nur zwei bis drei Jahren Training bekam er das Angebot, sich zum Instruktor zertifizieren zu lassen. Er hat angenommen und ist heute mit diesem sehr zufrieden.

Dieser Entscheid führte nämlich dazu, dass er sein eigenes Unternehmen, das Self-Defense-Bochum in Bochum gründete, indem er Krav Maga trainiert.

Unser Interviewpartner und Krav Maga Trainer Daniel Scherer

 

Daniel, du bist Leiter des Self-Defense Bochum. Seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema Selbstverteidigung? Gab es einen bestimmten Anlass, weshalb du mit der Thematik in Berührung gekommen bist? Welche Verteidigungsarten führst du aus?

Mit dem Thema beschäftige ich mich seit 2007. Ich fand es einfach faszinierend, dass sich selbst ein kleiner Mensch wie ich, der gerade mal 1,74 Meter misst, gegen stärkere und größere Gegner zur Wehr setzen kann, wenn er oder sie ein gutes und andauerndes Training absolviert hat.

Da ich viel Gewalt in meinem Leben erlebt habe, verabscheue ich eigentlich Gewalt von Grund auf. Allerdings kommt man nicht darum herum – wenn es um die Gewaltintervention geht –, sich mit diesem Thema dezidiert auseinander zu setzen. Ich trainierte im Laufe der letzten Jahre nahezu alles was mir irgendwie in die Finger kam. Von Kampfsportsystemen wie Kickboxen, Bodenkampfkonzepten wie Sambo, Brasilien Jiu-Jitsu, Luta Livre bis hin zu klassischen Kampfkünste erweckte alles mein Interesse. Letztlich verblieb ich aber dann in den sogenannten Hybridsystemen, die sich ausschließlich der Selbstverteidigung widmen. Alle Konzepte hier zu nennen, wäre sicherlich nicht angemessen, da man in der Tiefe einfach nicht alles erlernen kann.

 

Für wen sind die Kurse des Self-Defense Bochum geeignet? In welchen Situationen kann man die Verteidigungsformen einsetzen? Was steckt hinter dem Begriff Krav Maga? Woher stammt das Selbstverteidigungssystem und wodurch hebt es sich von Kampfsportarten ab?

Die Kurse bei uns sind grundsätzlich für jeden geeignet, der halbwegs gesund ist. Ich trainiere mit Kindern im Kita-Alter als auch mit Senioren. Natürlich unterscheidet sich das Training elementar voneinander. Da wir weder die seelische Entwicklung des Kindes gefährden wollen noch von einem Senior einen Highkick erwarten können.

Verteidigung auf der Straße fängt bereits bei der Entscheidung an, wann ich wo hingehen werde. Wenn ich mich nachts um drei bis vier Uhr in gewissen Stadtteilen aufhalte, muss mir klar sein, dass ich gewissen Menschen dort über den Weg laufe. Da fängt der Selbstschutz schon an.

Krav Maga ist mit «Kontaktkampf» zu übersetzen. In Israel, wo der Sport herkommt, ist es allerdings eher ein Überbegriff wie hierzulande der Begriff «Budosport». Im Ausland jedoch steht hinter Krav Maga eine Nahkampftechnik, die ursprünglich für das Militär entwickelt wurde. Im Laufe der Jahre hat sich dann – daran orientiert – auch für den sogenannten Law Enforcement Bereich, also für Polizei und Sicherheitskräfte, eine veränderte Zielrichtung entwickelt und das Konzept wurde an die veränderten Grundbedürfnisse adaptiert. Aus Eliminieren wurde Neutralisieren. Dies wurde dann auch für den zivilen Bereich vorgenommen, so dass auch Zivilisten von dem Konzept profitieren konnten.

Krav Maga hat einige Merkmale, die es grundlegend unterscheidet von typischen Kampfsportarten. Zum einen ist es die Intention. Wir wollen uns nicht messen. Wir kämpfen nicht nach Regeln und wir gehen niemals von einer klassischen Eins-zu-Eins-Situation aus. Alle nur erdenklichen Vorteile – auch unfair erscheinende – werden genutzt, da wir davon ausgehen müssen, dass der Aggressor das auch tut. Dabei verzichten wir völlig auf filigrane Bewegungsmuster – wenn es toll aussieht, was wir tun, ist das Zufall.

Zum anderen ist aber auch die Trainingsmethodik zu nennen. Wir arbeiten nach militärisch-konzipierten Trainingsmethoden, um einen schnellen Erfolg zu sichern und auch die Praktizierenden auf die Stresssituationen im Kampf gebührend vorzubereiten. Das bedeutet, wir arbeiten mit gezielten Stress-Szenario-Trainings, die mögliche Situationen auf der Straße vorskizzieren. Dieser künstliche Stress hilft auch in der geballten Angstsituation auf der Straße handlungsfähig zu bleiben.

 

Mit welchen Waffen und Hilfsmitteln arbeiten die Teilnehmer im Self-Defense Bochum in den Kursen? Welchen Gegenstand zur Selbstverteidigung empfiehlst du? Was sollte man am besten immer bei sich tragen, um sich in kritischen Situationen verteidigen zu können?

Hier scheiden sich oft die Geister. Meines Erachtens sollte man jedes Hilfsmittel nutzen! Dies gilt es natürlich zu trainieren. Von Taschentüchern – kein Scherz – bis zum Schirm oder der Handtasche kann man nahezu alles verwenden, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Für mich selbst und auch meinen Schülern empfehle ich, einen tactical Pen zu tragen und dessen Anwendung genau zu studieren. Der Vorteil besteht darin, dass das Risiko relativ gering ist, dass mir diese Waffe abgenommen und gegen mich selbst verwendet werden kann. Von Messern rate ich allein schon aus rechtlichen Gründen ab, aber auch Reizgas und dergleichen kann zum metaphorischen Bumerang werden.

Wissen und Wahrnehmung ist durch nichts zu ersetzen. Jeder verhinderte Kampf ist ein Sieg.

 

Was ist der Unterschied zwischen den Begrifflichkeiten Self-Defense und Social Defense? Welches Konzept steckt hinter dem Social Defense und in welchen Situationen greift man auf das Social Defense zurück?

Social Defense ist eine Art Weiterentwicklung des Krav Maga’s und beinhaltet das gesamte Krav Maga Konzept als auch weitere SV-Konzepte, deren Inhalte den Prinzipien des Krav Maga’s entsprechen. Fernab von der physischen Auseinandersetzung ist das Social Defense aber auch daran interessiert, Konfliktlösungsstrategien zu vermitteln, die präventiv wirken und den Kampf im Bestfall verhindern, bevor er beginnt. Da viele Kämpfe im Kopf stattfinden, sprich der innere Kampf gegen die eigenen Ängste unvermeidlich ist, konzentriert sich das SD-Konzept auf die Persönlichkeitsentwicklung und Selbstregulation, sprich die Selbstregulation vor Deeskalation, Deeskalation vor Eskalation. Hierzu werden Techniken und Taktiken aus der Einsatz- und Militärpsychologie eingesetzt, um Gedanken und Emotionskontrolle zu erzeugen. Es geht darum, selbstregulativ den eigenen Körper und die Angstentwicklungen zu erkennen und zu steuern.

Als Ergebnis haben die Praktizierende dann eine signifikante Erhöhung der kognitiven Fähigkeiten, eine erhöhte Stressresilienz, aber auch verbesserte Kommunikation und Lösungsstrategien für das gesamte Leben gewonnen. Social Defense ist daher tagtäglich im Einsatz und der Nutzen nicht nur in der Prävention, sondern auch in der Postvention von allen Formen der Gewalt – physisch, psychisch, sexualisierte, etc. – deutlich spürbar. Hiervon profitieren nicht nur Firmen, sondern alle Professional wie Psychologen, Lehrer, Juristen, die mit Ängsten der Klienten und den eigenen umgehen müssen.

Seit Jahren leite ich auch schon mit dem Konzept erfolgreich indikative Gruppen von PTBS-Patienten in einer Fachklinik, die aufgrund von Gewalterfahrungen beispielsweise zur Drogensucht neigen.

Social Defense ist die Zukunft, da es sich mit Angst als Ursache nahezu aller Probleme in unserer Gesellschaft und im Individuum beschäftigt.

Social Defense ist eine Art Weiterentwicklung des Krav Maga’s

  

Immer Up to date

Tatsächlich ist Daniel Scherer als Einzelunternehmer tätig. Im Laufe der Jahre konnte er sich jedoch ein internationales Netzwerk aufbauen, sodass er heute bei Bedarf auf gut ausgebildete Instruktoren zurückgreifen kann, die ihn kräftig unterstützen. Gerade das Netzwerk, auf das er zurückgreifen kann, bietet eine hervorragende Möglichkeit, um eigene Trainingskonzepte stets der Zeit anzupassen, sodass die Trainings bei ihm immer auf dem neusten Stand sind.

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