Taijiquan: Durch regelmäßiges Training frei von Beschwerden

Veröffentlicht am 21 Oktober 2019 von Verena Arnold
Condividi su Facebook Condividi su Twitter Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin

Einen guten Ausgleich zum stressigen Alltag zu finden, ist leichter gesagt als getan. Meist fehlt uns die Energie nach einem hektischen Arbeitstag, um Neues zu erlernen und zu erkunden. Dabei ist die Balance zwischen Freizeit und Arbeit besonders wichtig und trägt zu unserem Wohlbefinden bei. Wie Taijiquan die eigene Gesundheit unterstützt, haben wir im Gespräch mit Jens Weinbrecht erfahren.

Der 47-jährige Jens Weinbrecht lebt seit 2007 in Nürnberg, wo er begann Taijiquan zu unterrichten und anschließend das Institut für Bewegungskunst in Nürnberg gegründet hat. Nachdem er merkte, dass ihn seine Arbeit davor nicht mehr erfüllte und die einseitige Belastung ihm zusätzlich starke Beschwerden im Nacken beschwerte, entschied er sich, etwas zu ändern. Durch das verbindliche und regelmäßiges Training hatte er kurz danach keine Beschwerden mehr und wollte einfach intensiver Taijiquan lernen, weil es ihn tiefgründiger interessierte. Kurze Zeit darauf begann er in Unternehmen Taijiquan-Kurse zum beruflichen Ausgleich anzubieten.

Im Wesentlichen arbeitet Jens Weinbrecht allein, kooperiert allerdings auch mit einem Kollegen aus Ansbach und München. Weiterhin steht ihm ein langjähriger Schüler, der sich sehr engagiert, bei. Die wichtigste Unterstützung erhält er allerdings von seinem Lehrer Dietmar Stubenbaum. Er hilft ihm seit 2007 konsequent die eigenen Fertigkeiten weiter zu entwickeln und besucht das Institut zweimal im Jahr in Nürnberg, um einen Workshop abzuhalten. Davon profitiert die Qualitätsabsicherung, denn ganz allgemein kann man im Umfeld des Taijiquan heute nur von einem Trend zum Downsizing sprechen. Die Moderne Zeit lechzt geradezu danach und zerstört die Überlieferung des intakten klassischen Taijiquan.

Unser Interviewpartner und Chen Taijiquan Trainer Jens Weinbrecht

 

Du bist im Institut für Bewegungskunst in Nürnberg, Fürth und Erlangen tätig. Seit wann beschäftigst du dich mit dem Chen Taijiquan? Wie häufig trainierst du Taiji? Auf welche Art und Weise bist du zum ersten Mal damit in Berührung gekommen? Könntest du dir heutzutage ein Leben ohne Taiji vorstellen?

Mit dem Chen Taijiquan habe ich 2007 begonnen. Heute sehe ich aber die Frage nach Stil oder Familien Klan Tradition eher als nebensächlich, weil sie sich für den Laien eher durch die besonderen Trainingsmethoden oder visuelle Erscheinung unterscheiden. Ich denke, dass alle klassischen Taijiquan Schulen ihre Berechtigung haben, wenn sie intakt sind und der richtige Lehrer dahintersteht. In Europa zum Beispiel gibt es zahlreiche Leute, deren einziges Kriterium es ist, dass der Lehrer ein Asiate ist. In Insiderkreisen nennt man das „Schlitzaugen-Bonus“. Daher habe ich vor ca. 12 Jahren auch den Namen Institut für Bewegungskunst gewählt und wollte nicht unbedingt wie viele das tun mit dem Familienamen Chen Flanieren gehen. Mein Lehrer erklärt mir die Dinge in unserer Muttersprache, klar und verständlich. Wenn ich in China bei Meisterin Chen Peiju bin, höre ich das sie das gleiche auf Chinesisch erklärt und nicht irgendwas das dann vielleicht noch durch eine unpässliche Übersetzung in Verwirrung führt.

Mein tägliches Basistraining dauert mindestens 30 min, was ich auch bei leichten Erkrankungen aufrecht erhalte. Dazu kommt ein intensiveres Training was bis zu 2h plus das Unterrichten dauert.

Taiji steht sinngemäß für die Naturgesetze von Yin Yang. Beide Energien befinden sich im permanenten Wandel. Mit praktischen Mitteln am eigenen Körper und mit anderen gemeinsam kann es am besten studiert werden. Dann reden wir schon fast vom Taijiquan. Es schließt vor allem Lebenspflege ein und reicht über Gesundheit, Moral, chinesische Kultur und Philosophie bis hin zur Kampfkunst. Da wir alle einer ständigen Veränderung unserer Umwelt und mit uns selbst ausgesetzt sind, stellt sich für mich die letzte Frage nicht. Es gibt nur die Frage, ob man Taijiquan bewusst betreiben will oder sich desinteressiert in diesem Sinne per Zufall von den erwähnten Angst-Stimulatoren der Gesellschaft treiben lässt.

 

Im Institut für Bewegungskunst wird Chen Taijiquan angeboten. Wie unterscheidet sich das Chen Taijiquan vom regulären Taiji? Was versteht man grundsätzlich unter dem Begriff? Welche positiven Auswirkungen hat Taiji nach deiner Erfahrung auf den Körper und Geist?

Es gibt einen historischen Hintergrund, der die Veränderungen in allen Bereichen des Taijiquan zum Florieren gebracht hat. Die schnellen und politisch motivierten Veränderungen bekamen während der Republik China ab ca. 1925 einen großen Schub, als das Taijiquan in den Städten wegen seiner Kampfkunst Meister an Popularität gewann. Mit dem allgegenwärtigen Nationalismus einher stellte sich ein Zeitgeist ein, der die Meinung vertrat, dass das schwache China nur gestärkt gegen die ausländischen Kolonialmächte bestehen könne, wenn jeder in der Bevölkerung gesund und stark ist. So gab es einen Gesundheitshype und man vereinfachte das Taijiquan was an die Masse unterrichtet wurde. Nur einige darunter wollten es jedoch ernsthaft als Kampfkunst erlernen. Die Aufsplitterung in zwei Lager und das Unterrichten in großen Gruppen bildeten den Grundstock einer Welle von Veränderungen die bis heute anhalten. Die Verbreitung außerhalb Chinas stützte sich dann vorrangig aus diesen Schichten, während die anderen Klans ihre klassische Überlieferung in den Dörfern weiterführten, ohne dass ihre Gesamtheitlichen Art verstanden oder gesellschaftlich zur Kenntnis genommen wurde. Nach 1949 gab Mao Ze Dong die Anweisung, dass Taijiquan keine Kampfkunst sein darf und zu einer Vorführkunst, als Gesundheitsübung oder sportlichen Disziplin zu transformieren sei. Bis heute gilt diese Vorgabe und es haben sich zahlreiche neue Facetten gebildet und ihre Verbreitung gefunden. In China selbst wurde das Chen Taijiquan erst mit den Büchern von Gu Liu Xin ab 1960 bekannt. All diese neuen Spielarten können als modernes, reguläres oder vereinfachtes Taijiquan angesehen werden. Es handelt sich aber leider nur dem Namen nach um Taijiquan. Klassisches Taijiquan findet man daher in China eher in den Dörfern vor, weil sie hier Lange Zeit vor den direkten Einfluss der modernen Politik verschont geblieben sind. Dazu findet man mehr Details auf meiner Webseite.

Taijiquan kann man Sinngemäß übersetzen als „hochwertigste Box Kunst“. Quan steht für Box Kunst was man auch in anderen Familien wie z. Bsp. bei „Hong Jia Quan“ (Kampfkunst der Familie Hong) wiederfinden kann. Taiji ist aus der Yin Yang Philosophie entliehen und wird häufig als „höchster Balken“ übersetzt. Im Grundgedanken wird gesagt, dass zuerst die Welt im Urzustand des Wuji (ein leerer Kreis) bestanden hat und daraus das Taiji hervorgegangen ist. Somit sind die Pole Yin und Yang entstanden. Zwischen ihnen herrscht ständig Bewegung und es findet ein energetischer Wechsel statt. Hinter Taiji steht also eine Theorie die sich mit dem Studium des Wechsels der Energien zwischen Yin und Yang beschäftigt. Taijiquan studiert diese Theorie in der praktischen Welt die alle Bereiche, einschließlich Kampfkunst durchdringt.

Taijiquan wird mit all seinen Auswirkungen indirekt und nicht direkt „seine eigenen Wirkungen“ entfalten. Also vielleicht nicht gerade das was in meinen Kopf herumwuselt. Im Westen herrscht ausschließlich eine funktionale Denkweise und extreme Kopflastigkeit vor. Das bedeutet „tue das! “ und „dann passiert jenes“. Dahinter verbirgt sich eine Angst vor dem allein sein – gesellschaftliche Isolation oder Angst vor Einwirkungen aus der Umwelt. Ohne diese Ängste wäre unsere Werbeindustrie ruiniert, weil sie davon lebt. Wir sind jedoch im Alltag deren Simulatoren ausgesetzt und werden zum Aktionismus verleitet, welcher das Wachstum in der Marktwirtschaft absichert. Gelangt man in eine echte Taijiquan Trainingskultur entzieht man sich diesen Stimulatoren, verlässt das Hamsterlaufrad und begibt sich in eine natürliche Welt. Durch das Tun (mit Bewegung) werden komplexe Stoffwechselprozesse im Körper, Gehirn verändert. Mit der Zeit werden diese wohlfühlenden Auswirkungen auch äußerlich sichtbar. Diese Effekte wurden immer wieder beobachtet bis es dazu, kam zu stigmatisieren. Es ist gut gegen hohen Blutdruck, als Sturz profilaxe, für alte Leute usw. Es wird also versucht, es in ein funktional berechenbares Korsett zu pressen, um es zu vermarkten (Taiji-Industrie). Taijiquan funktioniert so nicht, es ist Leben, unberechenbar, natürlich innovativ und regenerativ. Jeder kann es richtig lernen, wenn er es tut. Um in den Genuss von all seinen Vorteilen zu kommen, muss es in seiner Gesamtheit auch als Kampfkunst erlernt werden.

Welche Ausstattung benötigt man zum Chen Taijiquan? Mit welchen besonderen Utensilien ist das Institut für Bewegungskunst ausgestattet? Was gehört zu deiner Grundausstattung als Trainer?

Vorrangig ist der Mensch an sich das Utensil schlechthin. In den klassischen Taijiquan Schulen gibt es überall eine Hauptform an Bewegungsbildern, die erlernt werden. Diese bilden die Werkzeuge mit dem ein Taiji-Körper oder ein Gongfu-Rahmen entwickelt wird. Diese Hauptform wird in der Regel zw. 60 und 90 Bilder gezählt. Es gibt weitere Kurzformen, die häufig eine Abkürzung suggerieren, mit Vereinfachungen einherkommen oder aus Geschäftsgebaren geschaffen wurden. Dazu kommen zahlreiche Waffen die bei vielen Schulen identisch sind.

Das Wichtigste für mich und meine Schüler sind bequeme Kleidung, ein ruhiger schützender Raum, keine Drogen, keine Gerüche durch Parfüm – Café – Nikotin – Alkohol usw. Die schönen schicken Gewänder spielen für das Training eine untergeordnete Rolle. Die weiten stilistischen Gewänder verbergen den Blick auf die Details vom Körper des Lehrers. Wenn ich etwas erkläre, sollen die Leute das sehen, anfassen und Fühlen können. Warum sollte man also vor seinen Schülern etwas verstecken?

Welche Tipps gibst du an Schüler weiter, die sich zum ersten Mal mit dem Chen Taijiquan beschäftigen? Auf welche Details sollte man im Training achten, um die volle Auswirkung der Bewegungsform zu erfahren?

Fühlen lernen ist das Wichtigste. Diese Fertigkeit kann jeder selbst in seinem eigenen Körper Erleben und entwickeln. Es handelt sich um Informationen, denen wir vertrauen können, etwas Echtes das sich unserem Leben zugewandt verhält.

Einem guten Lehrer, dem man vertraut, sollte man sich zuwenden und mindestens 6 Monate bei ihm bleiben, ohne ständig zwischen anderen hin und her zu springen. Für diese Zeit nimmt man regelmäßig (nicht sporadisch) am Training Teil. Ideal ist es zuhause für sich selbst das gelernte zu üben. Ein bis zweimal die Wochen 30 min genügen. Es gilt die Devise lieber regelmäßig weniger als sporadisch und viel zu trainieren. Anschließend hat man ein erstes Bild vom Taijiquan bekommen und entscheiden, wie es weitergeht.

 

Internationaler Erfahrungsaustausch

Jens Weinbrecht hat seine berufliche Leidenschaft entdeckt Traumberuf und sich durch Taijiquan einen Traum erfüllt. Durch seine Hingabe können seine Schüler in jeder Stunde profitieren und das langjährige Wissen anwenden. Weiterhin ermöglicht der Kontakt mit den Chinesischen Ikonen Meister Chen Peishan und Meisterin Chen Peiju, die gelegentlich in Europa Workshops abhalten, einen internationalen Austausch. Mit dieser Konstellation steht den Interessenten ein einmaliges Ökosystem zur Verfügung.

Artikel teilen:
Condividi su Facebook Condividi su Twitter Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin
Veröffentlicht am von Verena Arnold
TAG:
Ähnliche Artikel:

Laveco e.U.

Reinigungsarbeiten in Bockfließ
geschrieben von Gert O. am 26. November
Ermin Kabaklija und seine Lebensgefährtin haben wirklich tolle Arbeit geleistet. Bei mir wurde letzte Woche die Fas...

Darja Vepritzky Personal Nutrition Training

Ernährungsberater in Brunn am Gebirge
geschrieben von Ekaterina T. am 14. Dezember
Wenn man zu einer Ernährungsberatung geht, dann hofft man auf Verständniss für die eigene Problematik und die Vermi...

DJ Hernandez

DJ in Mutters
geschrieben von Elvedina Z. am 7. März
Sehr gut gewählte Musikauswahl und sorgt für eine gute Stimmung über die gesamte Dauer des Abends. Jederzeit wieder...

TamaraP

Übersetzungen in Leopoldsdorf
geschrieben von Matea T. am 7. Februar
Sie arbeitet detailliert und genau und alles wird innerhalb der Frist geliefert. Eine sehr positive Person und dahe...

Andreas Burgstaller

Fotografie-Dienstleistungen in Wien
geschrieben von Anna S. am 15. Februar
Herr Burgstaller hat von allen Bürokollegen und Kolleginnen Portraitfotos für unser Intranet gemacht und bestens di...

Lacotec e.U

Malerarbeiten in Oberhaag
scritto da Antonio M il 19/11/2017
Ausmalen Altbauwohnung Zimmer, Küche, Kabinett ca. 97. Kompetent, zuverlässig, rasch und ordentlich; Auftrag zur v...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie es funktioniert

Auftrag einstellen
1

Auftrag einstellen

In nur wenigen Klicks angeben, was du benötigst.
Angebote vergleichen
2

Angebote vergleichen

In wenigen Stunden erhältst du bis zu 5 individuelle Angebote.
Such deinen Pro aus
3

Such deinen Pro aus

Nachdem du deine Angebote erhalten hast und die Anbieter verglichen hast, kannst du einfach den überzeugendsten Pro aussuchen.