Übers Ziel hinausgeschossen 

Veröffentlicht am 25 Oktober 2019 von Verena Arnold
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Der Bogensport hat im Camburg (Thüringen) so einiges bewirkt: So kommen durch diese Attraktion nicht nur vermehrt Touristen in die Stadt und sorgen für ausgebuchte Pensionen und gut besuchte Gasthäuser, sondern auch viele einheimische Menschen treffen zusammen. Damit werden Freundschaften gepflegt und es ergab sich ein ganz neuer Wirkungskreis: Durch die Organisationsform eines gemeinnützigen Sportvereins bot sich die Möglichkeit, im Ort Rehabilitationssportgruppen ins Leben zu rufen, die in Kooperation mit einer Physiotherapiepraxis durchgeführt werden. 

Damit habe sich eine schöne Verbindung zwischen beruflichen und privaten Engagement ergeben, meint Rudolf Wolter. Der 51-Jährige ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Vorsitzender der Camburger Bogenschützen e.V. Die Begeisterung zum 3-D-Bogenschießen bewog ihn, gemeinsam beim ortsansässigen Schützenverein eine Abteilung zu gründen. 2013 haben sie sich dann als Verein selbstständig gemacht und bisher vier Deutsche Meistertitel gewonnen. 

Heute zählt der Verein knapp 150 Mitglieder, die Hälfte davon sind Jugendliche und Kinder. Die Bogensportanlage auf einem 20 ha großen Waldgelände wird im Wesentlichen durch Arbeitseinsätze der Vereinsmitglieder betrieben. Rudolf macht dabei meistens die Planung und Koordination. Das Gelände ist nicht eingezäunt, daher besteht jederzeit freier Zutritt und Gastschützen können eine Tageskarte an der örtlichen Tankstelle erwerben. Voranmeldungen sind nicht nötig. Natürlich müssen die Schützen aber Rücksicht auf Spaziergänger nehmen und dürfen die Anlage nur tagsüber benutzen. 

Unser Interviewpartner Rudolf Wolter beschäftigt sich mit Bogenschießen

Seit wann bist du Mitglied im Verein bei den Camburger Bogenschützen? Wann hast du deine Leidenschaft für das traditionelle Bogenschießen entdeckt? Was fasziniert dich persönlich an dem Sport besonders? 

Seit 2011 betreiben wir den Bogensport Parcours Camburg, der nicht nur die Trainingsstätte unseres Vereines, sondern auch eine öffentlich zugängliche Sportstätte ist.

Ich wollte eigentlich nie Arzt werden. Aber als dann an die Berufswahl ging, habe ich festgestellt, dass mir der Beruf überraschend gut liegt und mit der Zeit habe ich mich in das Arztsein verliebt. Ich habe im Jahr 2002 die Praxis meiner Schwiegermutter übernommen. Im Lauf der Jahre habe ich festgestellt, dass es neben Arbeit und Familie noch mehr geben muss, wenn man in einer fremden Stadt heimisch werden will. Die Gründung eines Vereins bot mir die Möglichkeit, “mein eigenes Ding zu machen“ und mir einen Freundeskreis abseits von Beruf und Familie aufzubauen.

Mich fasziniert am 3-D-Bogensport am meisten, dass man diesen Sport in Ruhe, in kleinen Gruppen und in der Natur betreiben kann. Auf unseren eigenen Parcours kann ich jederzeit gehen. Die Anlage ist abwechslungsreich und je nachdem, wie ich Zeit habe, kann ich mehr oder weniger viel schießen. Wir gehen viel zu Wettkämpfen, was die Chance bietet, andere Leute kennenzulernen und andere Gelände- und Schusssituationen zu erleben. Natürlich sammelt man dabei auch immer Ideen für die eigene Anlage. Da mein Beruf durchaus stressig und anstrengend ist, aber weit überwiegend im Sitzen am Schreibtisch stattfindet, brauche ich einen Ausgleichssport, der mir einerseits Bewegung, andererseits aber auch Ruhe bietet. Das Bogenschießen auf dem Platz, auf immer gleiche Distanzen und auf Scheiben von immer gleicher Form und Größe wurde mir schon nach wenigen Wochen zu langweilig. Das Geländeschießen bietet viel mehr Abwechslung und vor allem viel mehr Bewegung.

 

Was versteht man unter dem Begriff „Traditionelles Bogenschießen“? Wie hebt sich der Sport von der heutigen Art des Bogenschießens ab? Für wen eignet sich das traditionelle Bogenschießen?

Das traditionelle Bogenschießen bezeichnet zunächst einmal das Schießen mit Bögen ohne technische Hilfsmittel, wie Visiereinrichtungen, Stabilisatoren usw. Die meisten traditionellen Schützen sind auch 3-D-Schützen. Das heißt, sie schießen eben nicht auf dem Platz, sondern sie schießen im Gelände auf dreidimensionale Tierattrappen und auf unbekannte Entfernungen.
Tatsächlich ist die Bezeichnung „traditionelles Bogenschießen“ eher jung und soll sich einfach abheben von den eher technischen Strömungen im Bogensport. Es ist so eine Art „Back-To-The-Roots-Bewegung”, die aber großen Zulauf  hat. Der Sport eignet sich für jeden: Kinder sollten schon 8 bis 10 Jahre alt sein, wenn sie damit anfangen, viel jünger macht keinen Sinn. Ich treffe auf Turnieren auch regelmäßig Leute, die über 70 Jahre alt sind.

 

Welches Equipment braucht man außer Pfeil und Bogen zum Bogenschießen? Welche verschiedenen Bogenarten gibt es? Ist es notwendig, zum Bogenschießen Schutzkleidung zu tragen? Wo ist das Equipment zum Bogenschießen zum Kauf erhältlich?

Neben  Pfeilen und Bogen braucht man natürlich auch einen Köcher, um die Pfeile aufzubewahren. Außerdem benötigt man einen Fingerschutz für die Hand, mit der man die Sehne zieht. Das kann ein Handschuh oder ein Tab sein. Außerdem empfiehlt sich ein Armschutz für den Bogenarm, damit man sich keine blauen Flecken durch das Anschlagen der Sehne holt. Hinzu kommt noch einiges an Werkzeug, das man braucht, um seine Sachen in Ordnung zu halten und zu reparieren.

 

Für den Kauf einer Erstausrüstung würde ich immer den Weg zum Fachgeschäft empfehlen. Im Internet wird viel angeboten, aber wenn man nicht genau weiß, was man braucht, dann kauft man zwangsläufig irgendwelches Zeug, das man dann gar nicht brauchen kann. Das muss erst gelernt werden

Bögen gibt es ganz unterschiedliche: Die einfachsten sind die Primitivbögen, das heißt letzten Endes nur, ein Stock und ein Strick, mit denen man auch nur Holzpfeile schießt. Das ist in meinen Augen die höchste Kunst des Bogenschießens, weil das Material, das man verwendet, das unzuverlässigste ist. Wenn der Bogen oder die Pfeile im Regen nass werden, dann verändert sich das Wurfverhalten des Bogens oder das Flugverhalten des Pfeils. Dieses Problem hat man bei den technischeren Bögen nicht oder nur wesentlich weniger. Bei Holzpfeilen ist es schon mal schwierig, ausreichend Pfeile zu finden, die sich genau gleich verhalten. Das ist beim Aluminium oder Carbon-Pfeil gar kein Problem.

Als nächstes gibt es die Langbögen, die man  heutzutage aus Holz-, Glasfaser- und Carbonlaminaten fertigt. Langbögen werden stets “traditionell“ geschossen. Das heißt, sie haben niemals ein Visier oder einen Stabilisator. Als Pfeilmaterial kommt Holz oder Carbon infrage.

Dann gibt es die Jagdbögen, die wir meistens in unserem Verein verwenden. Das sind Recurvebögen ohne technischen Schnickschnack. „Recurvebogen“ heißt, die Enden der Wurfarme sind noch einmal nach vorne gekrümmt. Das erhöht die Leistungsfähigkeit.  Andere Varianten der Recurvebögen sind die Blankbögen und die Olympic-Recurvebögen. Blankbögen werden auch ohne Visier und ohne große Stabilisatoren geschossen. Sie haben aber technisch aufwändigere Pfeilauflagen. Olympic-Recurve sind Bögen, die mit Visier und Stabilisatoren geschossen werden. Diese Bögen finden meistens Anwendung beim Schießen auf dem Sportplatz, auf feste Distanzen und auf Ziele von immer gleicher Größe und Form. Das sind die klassischen Scheiben mit dem gelben Punkt in der Mitte und den bunten Ringen drumherum.

Die technisch am weitesten entwickelte Variante sind die Compoundbögen. Diese können mit oder ohne Visier geschossen werden und haben die höchste Leistungsfähigkeit. Das sind die Bögen, die an den Enden der Wurfarme Rollen haben, über die die Sehne umgelenkt wird. Diese Bögen funktionieren ähnlich wie ein Flaschenzug und verstärken durch die Wurfleistung des Bogens ganz erheblich.

 

In welcher Umgebung wird das traditionelle Bogenschießen neben dem Training an der Scheibe geübt? Wie läuft ein Training im Bogenschießen in der Regel ab?

An der Scheibe schießen wir uns nur ein und machen uns warm. Das geht etwa 10 Minuten, wenn‘s hochkommt. Danach gehen wir ins Gelände. Meistens sind wir kleinen Gruppen von 4-6 Leuten unterwegs. Wir schießen dann meistens den gleichen Modus, wie auf einem Bogensportturnier üblich ist, das heißt maximal drei Pfeile pro Ziel. Der erste Treffer zählt. Bei einer Trainingsrunde nimmt es einem allerdings niemand übel, wenn man einen vierten oder fünften Pfeil schießt. Unser Parcours hat zur Zeit 28 Stationen, an denen insgesamt etwa 100  Tierattrappen stehen. An jeder Station gibt es vier verschiedene Abschlussblöcke. Es sind also etwa 400 Schusssituationen schon vorab definiert. Das schafft man nicht an einem Tag.
Natürlich müssen die Schüsse so gebaut sein, dass fehlgegangene Pfeile nicht irgendwo unkontrolliert ins Gelände fliegen können. Es ist eine Kunst für sich, die jeweiligen Schusssituationen so zu bauen, dass sie gut aussehen und trotzdem sicher sind. Im Lauf der Jahre bekommt man da allerdings Übung.

 

An der Scheibe schießen wir uns nur ein und machen uns warm dann geht es in den Wald

 

Bogenschießen für Groß und Klein

Durch das Engagement von Rudolf hat sich in Camburg viel getan und sich ein neue Sportart etablieren können. Mit viel Leidenschaft widmet er sich nun bereits jahrelang dem Bogenschießen und verfügt über ein großes Wissen rund um diese traditionelle Kunst. Junge als auch ältere Leute können sich für diese Aktivität begeistern uns schätzen die Abwechslung im Gelände. Beim Kauf einer Ausrüstung rät Rudolf zu einem Besuch im Fachgeschäft, denn mittlerweile gibt es viele technische Ausführungen und im Internet erhält man nur schwer den richtigen Durchblick. 

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