Von der Wissenschaft zu alten asiatischen Traditionen

Veröffentlicht am 24 Juli 2019 von Verena Arnold
Condividi su Facebook Condividi su Twitter Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin

Der Weg, welcher einen zu einer bestimmten Kunstform oder Sportart führt kann durchaus sehr unterschiedlich sein. Manche wachsen schon als Kind in einem Haushalt auf, wo gewisse Praktiken ausgeübt werden, oder stoßen im Laufe des Lebens darauf.

Gerade in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen, ist es umso wichtiger, dass man sich regelmäßige Auszeiten gönnt und sich, seinem Körper und auch seinem Geist, Zeit zum sich erholen, und Kraft-Tanken gibt. Prof. Dr. Thomas Christaller, hat sich auf dem Weg des Aikidos wiedergefunden, nachdem er viele Jahre in der Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz tätig war. 

Nach dem Studium der Mathematik, der Physik und Informatik, war er schon 1974 als Programmierer tätig. Etwa um dieselbe Zeit, hat er auch begonnen Aikido zu betreiben und unterrichtet dieses auch schon seit 1976. Im Jahr 2007 hat er sich mit 3 weiteren Aikido Lehrern zusammengetan und das Unternehmen Bewegung & Lebenskunst gegründet. 

Aikido ist eine alte japanische Kampfkunst die in seiner heutigen Form im 20. Jahrhundert von Ueshiba Morihei entwickelt wurde. Der Name bedeutet soviel wie “mit der eigenen Geisteskraft zu einem harmonischen Lebensweg finden”.

In ihrem Unternehmen bieten sie jedoch auch Yoga, Meditation und Feldenkrais an, da sie der Meinung sind, die Bedürfnisse der Kunden würden sich über die Zeit hinweg natürlich verändern und so auch der Bedarf an unterschiedlichen Systemen.

Unser Interviewpartner und Aikido Trainer Prof. Dr. Thomas Christaller

 

Was hat dich inspiriert, diesen Weg beruflich zu gehen? Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus? 

Ich habe Jahrzehnte als Wissenschaftler, Forscher hauptberuflich im Bereich Künstliche Intelligenz gearbeitet. Aikido war meine Passion in der Freizeit. Aber ich habe schon seit 1978 angefangen, Aikido zu unterrichten und mich in den jeweiligen Vereinen zu engagieren, in denen ich trainiert habe. Mir war es möglich, mit Mitte 50 in die sogenannte Altersteilzeit zu gehen und ab 60 war ich in Pension. 1978 hat mein damaliger Bielefelder Aikido-Lehrer Norbert van Soest mir den Aikido-Unterricht im Hochschulsport der Universität Bielefeld anvertraut. Seit dieser Zeit unterrichte ich mit wenigen Unterbrechungen bis heute. Seit zehn Jahren gebe ich in Deutschland aber auch international Wochenend-Seminare, z.B. in Rußland, England und den USA.

 

Was für Aikido-Kurse bietest du an? Welche Kurse sind für Anfänger zu empfehlen?

Meine Aikido-Kurse im Zentrum für Bewegung & Lebenskunst und in den Wochenendseminaren außerhalb davon wenden sich unterschiedslos an alle Menschen. Ich mache keinen Unterschied zwischen Anfänger, Fortgeschrittenen, mit Vorkenntnissen in anderen Kampfkünsten oder Bewegungssystemen. Es ist in Japan eine alte Tradition, dass es keine speziellen Anfängerkurse gibt. Ich halte sehr viel davon, denn sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene lernen viel mehr und schneller, wenn sie zusammen üben.

Es ist meines Erachtens auch die natürliche Form, in der wir am Besten lernen. Kinder beginnen auch nicht in einer Laufschule, um das Laufen oder in einer Essschule, um essen zu lernen. Ich unterrichte auch seit 1987 Kinder und Jugendliche. Für mich ist der Übungsraum, jap. Dojo, ein Labor, in dem wir Dinge und Bewegungen ausprobieren können, die außerhalb davon merkwürdig oder sogar verboten sind, z.B. jemand so zu Boden zu werfen, dass der Geworfene nur durch einen Salto schweren Verletzungen entkommen kann.

Aber nicht nur potenziell gefährliche Kampftechniken können wir im Dojo studieren sondern auch das Allerwichtigste: Wie will ich mit einem anderen Menschen, selbst wenn er mir unfreundlich oder feindlich begegnet, umgehen? Wie in Kontakt treten? Wie angemessen handeln? Die grundlegende Erfahrung, die ich Anfängern und Fortgeschrittenen immer wieder vermittle, ist der erste Kontakt, die Berührung. Anfängern empfehle ich, die ersten drei Monate möglichst zweimal wöchentlich jeweils eine Stunde zu üben. Das genügt, um eine gute Basis für die Aikido-typischen Bewegungen zu erlernen. 

 

Welches Utensil verwendest du für deinen Unterricht am liebsten und warum?

In vielen Kampfkünsten werden unterschiedliche Waffen eingesetzt. Beim Aikido sind dies das traditionelle japanische Schwert, jap. Katana, und ein ca. 150 cm langer Holzstab, jap. Jo. Ich verwende das Katana in erster Linie, um die waffenlosen Aikido-Techniken zu erklären und ein Körpergefühl zu entwickeln, als ob man diese Waffe einsetzen würde. 

 

Was für Tipps kannst du zum Thema Stress und Bewegung geben? Wie kann man im Alltag Stress reduzieren?

Der entscheidende Punkt, um mit Stress umzugehen und wirkungsvolle Bewegungen auszuführen, stellt der Atem dar. Er ist die Schnittstelle zwischen unbewusstem und bewusstem Handeln. In allen Kampfkünsten, aber auch im Yoga, der Meditation werden dazu die unterschiedlichsten Techniken unterrichtet. Das Ziel gerade bei Stress besteht darin, einen ruhigen, gleichmäßigen Atemrhythmus bei zu behalten oder wieder zu bekommen. Vielleicht der einfachste Einstieg besteht darin, mit dem Ausatmen zu beginnen, zu schauen, wie lange der natürlich geht, versuchen, dann nicht zu atmen und dann langsam durch die Nase einzuatmen und wieder einen Augenblick inne zu halten, bevor Du wieder ausatmest.

Sich Auspowern wird heute als probates Mittel gesehen, um Stress abzubauen. Tatsächlich geht es dabei darum, dem Gehirn so viel Energie durch körperliche Anstrengung über einen längeren Zeitraum zu entziehen, dass es nicht in einer Gedankenschleife hängen bleibt, sich in Sorgen steigert oder handlungsunfähig wird. Eigentlich ist da jede Bewegung geeignet dafür, z.B. Holzhacken, Fensterputzen, Joggen, Fahrradfahren, Schwimmen. Es muss nur mindestens eine halbe Stunde sein, sonst findet keine Unterbrechung im Gehirn statt und alles ist sofort wieder da wie vorher. Beim Aikido ist es das ständige Üben mit einem unterschiedlichen Partner und das Auf den Boden gehen und wieder Aufstehen, wenn man die Rolle des Angreifers übernommen hat.

Kannst Du aber z.B. in einer Sitzung Dich nicht auf Dein Mountain Bike schwingen oder 20 Bahnen schwimmen, dann brauchst Du etwas Anderes, um Dein Gehirn buchstäblich auf andere Gedanken zu bringen. Benutze dazu unbedingt Deinen Atem. Als erstes Ausatmen und dabei in sich zusammen sinken und dabei denken: Ich bin schwach, ich schaffe es nicht, der Andere ist stärker. Dann atme ein und richte Deine Wirbelsäule von unten her Stück für Stück auf, dehne Deinen Brustkorb, ziehe Deine Schultern ein wenig nach oben und rolle sie nach hinten, ziehe die Schulterblätter leicht zusammen.

Halte den Atem und spüre, wie aufgerichtet und stark sich das anfühlt. Genieße es und Du kannst dazu denken: Alles gar nicht so schlimm oder schwierig, Du schaffst, Dir fällt schon was ein. Atme wieder aus und spüre, wie die Sorgen etc. abfallen oder mit dem Atem bildlich gesprochen aus Dir raus strömen. Wenn es geht, öffne und schließe Deine Augen im Rhythmus dieser Bewegung. Lasse dabei Deine Lider sich weich bewegen und entwickle einen weichen Blick, der auch alles links und rechts von Dir wahrnimmt.

Klingt einfach und ich versuche auch immer, nur einfache Dinge zu vermitteln. Aber oft ist es so, je einfacher eine Bewegung oder Übung aussieht, desto weniger leicht ist sie auszuführen. Und dafür ist das Zentrum für Bewegung & Lebenskunst da, um den geschützten Raum zu schaffen, in dem wir dies ausprobieren können und zu unserer alltäglichen Bewegung und inneren Haltung zu entwickeln.

Aikido ist eine alte japanische Kampfkunst

 

Für mehr Harmonie

Ausgleich und Ruhephasen sind heutzutage immer wichtiger. Beim Aikido wird der Lebensfluss wieder in Einklang gebracht und einem beigebracht seine Energie bewusst und gekonnt einzusetzen. Das “Ai” steht für Harmonie, das “Ki” beschreibt die Lebensenergie und das “Do” ist der Lebensweg. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Artikel teilen:
Condividi su Facebook Condividi su Twitter Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin
Veröffentlicht am von Verena Arnold
TAG:
Ähnliche Artikel:

Laveco e.U.

Reinigungsarbeiten in Bockfließ
geschrieben von Gert O. am 26. November
Ermin Kabaklija und seine Lebensgefährtin haben wirklich tolle Arbeit geleistet. Bei mir wurde letzte Woche die Fas...

Darja Vepritzky Personal Nutrition Training

Ernährungsberater in Brunn am Gebirge
geschrieben von Ekaterina T. am 14. Dezember
Wenn man zu einer Ernährungsberatung geht, dann hofft man auf Verständniss für die eigene Problematik und die Vermi...

DJ Hernandez

DJ in Mutters
geschrieben von Elvedina Z. am 7. März
Sehr gut gewählte Musikauswahl und sorgt für eine gute Stimmung über die gesamte Dauer des Abends. Jederzeit wieder...

TamaraP

Übersetzungen in Leopoldsdorf
geschrieben von Matea T. am 7. Februar
Sie arbeitet detailliert und genau und alles wird innerhalb der Frist geliefert. Eine sehr positive Person und dahe...

Andreas Burgstaller

Fotografie-Dienstleistungen in Wien
geschrieben von Anna S. am 15. Februar
Herr Burgstaller hat von allen Bürokollegen und Kolleginnen Portraitfotos für unser Intranet gemacht und bestens di...

Lacotec e.U

Malerarbeiten in Oberhaag
scritto da Antonio M il 19/11/2017
Ausmalen Altbauwohnung Zimmer, Küche, Kabinett ca. 97. Kompetent, zuverlässig, rasch und ordentlich; Auftrag zur v...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie es funktioniert

Auftrag einstellen
1

Auftrag einstellen

In nur wenigen Klicks angeben, was du benötigst.
Angebote vergleichen
2

Angebote vergleichen

In wenigen Stunden erhältst du bis zu 5 individuelle Angebote.
Such deinen Pro aus
3

Such deinen Pro aus

Nachdem du deine Angebote erhalten hast und die Anbieter verglichen hast, kannst du einfach den überzeugendsten Pro aussuchen.