Yoga ist Sport, oder doch nicht?

Veröffentlicht am 10 Januar 2020 von Verena Arnold
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Da Yoga mit körperlicher Bewegung verbunden ist, wird häufig angenommen, dass Yoga eine Sportart ist. Aber das ist so nicht richtig. Sicher sind die Yoga-Übungen Bewegungen, die eine Verbindung zu Sport naheliegend erscheinen lassen, aber beim Sport geht es nur um das rein Körperliche und um Wettkampf und Sieg. Beim Yoga gibt es aber kein Höher, Schneller, Weiter und die körperlichen Übungen sind eher ein Hilfsmittel auf dem Weg ins Innere, bei der Reise zu sich selbst. Yoga fördert zwar auch die körperliche Fitness, aber noch mehr die mentale Fitness, die mindestens ebenso wichtig ist, wenn man gesund bleiben möchte. Dies gilt auch für Vinyasa Yoga, obwohl diese Variante etwas reduziert ist.

Wir wollten mehr über Yoga erfahren und haben mit der 31-jährigen Kim Sternemann  gesprochen, die ihr Leben zum Teil, gemeinsam mit ihrem Mann, in ihrer Heimat Duisburg im schönen Ruhrgebiet, verbringt und zum Teil im grünen Norden von Portugal. Ursprünglich absolvierte sie erfolgreich eine Ausbildung zur Bürokauffrau war dann auch in Vollzeit in diesem Beruf tätig.

Bei dieser Tätigkeit stellte sie fest, dass ihr die Arbeit mit Menschen sehr am Herzen liegt, was sie jedoch in diesem Beruf nur wenig realisieren konnte. Da ihr dies aber sehr wichtig war,  entschied sie sich, sich neben dem Beruf in den Bereichen weiterzubilden, die ihr volles Interesse hatten und begann schon bald ihre erste Yogalehrerausbildung und eine Coachingausbildung.

Auch fiel ihr immer häufiger auf, dass Kollegen in und um das damaligen Unternehmen häufiger unzufrieden waren oder sogar krank. Das führte dazu, dass sie sich fragte was man unternehmen könnte, um Unternehmenskulturen zu verändern, möglicherweise zu verbessern, vor allem im Bereich Gesundheitsmanagement. Um dies umzusetzen, begann sie nach Abschluss ihrer ersten beiden Yoga- und Coachingausbildungen, in dem Unternehmen zu unterrichten und sich so ihrem Team mal auf andere Art und Weise anzunehmen.

Daraus entwickelte sie ihr Konzept für Firmenyoga. Mit Firmenyoga konzentriert sie sich  hauptsächlich auf das Unterrichten von Yoga in Unternehmen und etabliert Yoga als Präventionsmaßnahme. Mittlerweile ist das Feld etwas größer geworden und neben dem wöchentlich stattfindenden Unterricht, gibt es Workshops und Seminare zum Thema „ Peace in Business“. Sie findet es fantastisch zu sehen, welchen Effekt fernöstliche Traditionen auf unsere westliche Idee von Unternehmenskultur haben. Der stattfindende Yogaunterricht ist immer gut besucht, mit maximal 15-20 Teilnehmern finden öfter sogar 2 Kurse hintereinander statt. Der Effekt bei den Teilnehmer ist enorm und deren Veränderung, nicht nur körperlich, beeinflusst das gesamte Unternehmen.

Mit Akademie MenschSein widmet sie sich etwas konkreter dem Coaching und der Beratung. Meist finden hier Einzelberatungen statt oder Workshops und Seminare zum Thema „Persönlichkeitsentwicklung“. Es geht um Empowerment des Einzelnen und die Stärkung, sowie Bewusstwerdung der eigenen Ressourcen und Kräfte. Ihr ist dies wichtig, da wir weder in Schule noch in der Uni lernen, uns wirklich um die inneren Räume zu kümmern. Stattdessen lernen wir früh, wie man Leistung bringt und sich gegen andere durchsetzt, Zeit für die eigene Entfaltung fehlt oft.

Mit beiden Standbeine arbeitet sie für den Menschen, seine Entfaltung und Entwicklung und an dem Zugang zu sich selbst, denn dann läuft es auch in anderen Lebensbereichen besser. In beiden Bereichen unterrichtet sie weitestgehend selbst, gibt Coachings und Workshops, wie Seminare in und um Unternehmen. Auch der organisatorische Part läuft durch ihre Hände, genauso wie die Buchhaltung.

Aktuell befindet sie sich im Wandel und hat nun 3 hervorragende Vertretungslehrer für Firmenyoga, da die Anfragen inzwischen nicht mehr durch sie alleine gestemmt werden können. Bei der Akademie MenschSein wird sie seit einigen Wochen durch ihren Timo unterstützt. Gemeinsam bieten sie auch Coaching Reisen und Seminare an. Das gesamte BackOffice läuft jedoch weiterhin unter ihrer Hand. 

Unsere Interviewpartnerin und Yogalehrerin Kim Sternemann

 

Kim, wie bist du zum Yoga gekommen und was hat es mit dir gemacht? Wie war dein bisheriger Berufsweg?

Vor ca. 7 Jahren besuchte ich zum ersten Mal einen Kurs an der Uni. Ich fand Freude an den Bewegungen und hatte wenig Interesse isoliert in einem Fitnessstudio zu trainieren. Damals wusste ich noch nicht, dass Yoga kein Sport ist. Zudem war es ein gelungener Ausgleich, zu meiner überwiegend sitzenden Bürotätigkeit. Vor meiner Selbständigkeit arbeitete ich in Vollzeit als Bürokauffrau.

 

Du selbst bist langjährige Yoga-Lehrerin. Gibt es im Yoga noch einen Bereich, der dir Angst macht und wenn ja, wie gehst du damit um? Wie führst du deine Schüler an die ihre Angstthemen heran?

Ich weiß nicht genau ob Angst das richtige Wort ist. Grundsätzlich habe ich im Yoga keine Angst, ich wüsste auch nicht wovor. Tatsächlich kann die Beschäftigung mit sich selbst durchaus zu Aufgewühltheit führen. Schließlich macht man in sich ein bisschen Licht an, da wo vorher keins war. Man beschäftigt sich mit allen Aspekten seines Selbst und davon ist vieles nicht immer schön. Doch es ist sehr heilsam, sich über sich selbst bewusst zu werden, das was man so tut, getan hat und denkt und fühlt. Es eröffnet die Frage nach „wer möchte ich sein?“ und gibt einem Spielraum, Verantwortung zu übernehmen.

Meine Schüler befinden sich auf derselben Reise wie ich. Ich pflege ein enges Verhältnis zu ihnen und begleite sie somit auch durch schwere Zeiten. Wir pflegen eine offene Kommunikation und ich versuche ihnen Stützen mit auf den Weg zu geben die yogischer Natur sind aber auch aus der klassischen Psychologie kommen. Ich denke das A und O ist die Offenheit, sich seinem Leben zu stellen und somit auch sich selbst.

 

Beim Yoga gibt es verschiedene Konzepte bzw. Richtungen. Auf welche hast du dich spezialisiert? Was sind aus deiner Sicht die besonderen Vorteile von Vinyasa-Yoga? Welche Methoden verwendest du in einem Yoga-Kurs am liebsten und warum? Hast du eine Lieblings-Übung oder Position im Yoga?

Meine erste Ausbildung war eine 200 Stunden vinyasa Ausbildung. Recht schnell habe ich dieses Konzept hinterfragt und damit auch die Ausbildungsweise hier im Westen. Darauf folgte eine 3 jährige Ashtanga Ausbildung (1.400 Stunden) und es erübrigte sich für mich die Frage, wie man in 200 Stunden einen Beruf erlernen könne? Nebenher absolvierte ich noch eine 250 Stunden Ausbildung bei Dr. Niessen.

Heute unterrichte ich hauptsächlich Ashtanga Yoga und auch meine eigene Praxis ist dem Ashtanga Yoga gewidmet. Für mich persönlich gibt es keine sinnvollere Praxis. Letztendlich hat sich Vinyasa Yoga aus dem Ashtanga entwickelt, allerdings fehlt der zweite  elementare Anteil, der es zu einem wirklich sinnvollen System machen würde. Vinyasa beschreibt lediglich einen Teil der Körperarbeit, nämlich die Bewegung. 

Ich denke, wir sollten Yoga in seiner Gänze betrachten und üben und nicht nur die Kirschen rauspicken. Demnach ist für mich Ashtanga Yoga immer erste Wahl.

 

Was ist deine Empfehlung für Yoga-Anfänger? Hast du spezielle Tipps? Wie häufig sollte man zu Beginn trainieren?

„Let’s start with the beginning“ ist ein Zitat meines Lehrers A.G. Mohan und ich denke das trifft es ganz gut.  Wenn man beginnen möchte, sollte man einfach machen. Allerdings würde ich den Einstieg immer mit einem Lehrer empfehlen. Schon Patthabi Jois lehrt in seiner Yogamala, „Yoga can’t be learned by a book“  und dem würde ich YouTube heutzutage hinzufügen, also auch YouTube kann einem Yoga nicht beibringen.

Ich würde IMMER Ashtanga Yoga empfehlen, auch für Anfänger. Man muss letztendlich nichts können, auch wenn man glaubt es ist nur für Athleten geeignet. Das stimmt nicht, vor allem weil man mit Yoga beginnt, weil man etwas erlernen möchte und nicht, weil man es schon kann. 

Vorbeugen ist besser als heilen

 

Vorbeugen ist besser als heilen 

Dieser Gedanke ist nicht neu, findet heute aber immer mehr Beachtung, auch in Unternehmen, denen immer mehr daran gelegen ist, dass ihre Mitarbeiter lange gesund und leistungsfähig bleiben, und dadurch bei der Arbeit auch zufriedener und motivierter. Da Yoga dem Körper und dem Geist hilft, ist es als Präventionsmaßnahme bestens geeignet. Wir bedanken uns bei Kim Sternemann  für dieses inspirierende Gespräch.

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